Zeitgeschichte im Fernsehen
Sendungen über Deutschland im 20. Jahrhundert

Programm-Auswahl Phoenix 2.4. 2010

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Welt im Aufbruch 1900 - 1913 08.15 - 09.40 Uhr
Grabenkrieg 1914 - 1919 09.40 - 10.25 Uhr
Verrückte Jahre 1920 - 1932
10.25 - 12.20 Uhr
Hitler an der Macht 1933 - 1938
12.20 - 13.35 Uhr
Totaler Krieg 1939 - 1945
13.35 - 15.05 Uhr
Neubeginn 1946 - 1955
15.05 - 16.45 Uhr
Kalter Krieg 1956 - 1968
16.45 - 19.00 Uhr
Welt im Umbruch 1969 - 1979
19.00 - 20.40 Uhr
Wendejahre 1980 - 1990
20.40 - 22.20 Uhr

Welt im Wandel 1991 - 1998

22.20 - 23.40 Uhr


08.15 - 09.40 Uhr
Welt im Aufbruch
1900 - 1913 l Dokumentation l Moderator: Guido Knopp

"Es war das Jahrhundert von Hitler und Einstein, Hiroshima und Gandhi, Auschwitz und der Mondlandung. Es hat gezeigt, was dieser schöne blaue Planet sein kann, wenn nicht nur Mut und wissenschaftliche Vernunft regieren, sondern obendrein auch Menschlichkeit und Liebe. Und es hat gezeigt, wozu die Menschen technisch und moralisch fähig sind: zu allem. Etwa ihresgleichen auszulöschen. Nichts führt die Kontraste dieser 100 Jahre deutlicher, bewegender vor Augen als die großen Bilder des Jahrhunderts.
Erst das 20. Jahrhundert liefert mit dem Aufkommen von Fotografie und Film in überreichem Maße jene Bilder, die Geschichte machten. Erstmals in der Geschichte der Menschheit ist es möglich, ein gesamtes Jahrhundert im Bild wiederzugeben. Fast jedes historische Ereignis, jeder schicksalhafte Augenblick ist fotografisch dokumentiert.
Doch viele dieser Bilder sind mehr als nur Momentaufnahmen. Sie stehen symbolisch für eine ganze Epoche und das Schicksal einer ganzen Generation. Der erste Motorflug der Menschheit; das Attentat in Sarajewo; der "Schwarze Freitag" in New York; der spanische Soldat im Augenblick des Todes; das Tor von Auschwitz-Birkenau; der Junge aus Warschau, der mit erhobenen Händen auf den Abtransport ins KZ wartet; die rote Fahne auf dem Reichstag, genäht von einem jüdischen Schneider; der Sprung des Volksarmisten Conrad Schumann über den Stacheldraht beim Bau der Mauer in Berlin; das nackte Mädchen aus Vietnam auf der Flucht vor einem Napalm-Angriff; die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond; Jubel und Tränen beim Fall der Berliner Mauer - Bilder wie diese haben sich den Menschen eingeprägt, erzählen Geschichten und sind Geschichte.
Bilder sind mächtig und bleiben dennoch oft oberflächlich. Sie zeigen nicht, wie Situationen entstanden sind, was nach der Momentaufnahme geschah, was aus den Menschen wurde, die das Ereignis erlebten. Die Geschichten hinter der Geschichte zu erzählen, die Bilder hinter den Bildern zu zeigen - dieser Aufgabe stellt sich '100 Jahre - Der Countdown'."
Prof. Guido Knopp ist Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte.

09.40 - 10.25 Uhr
Grabenkrieg
1914 - 1919 l Dokumentation l Moderator: Guido Knopp

1914 - Das Attentat von Sarajewo

28. Juni 1914: Österreich-Ungarns Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau sind zu Besuch in Bosniens Hauptstadt Sarajewo. Gerade waren sie im Rathaus, winken aus ihrer Kutsche fröhlich in die Menge. Plötzlich Schüsse - ein junger Mann feuert zweimal. Der Thronfolger und seine Frau sind sofort tot. In diesem Moment ahnt niemand, dass der 17-jährige Schüler mit dem Attentat den Ersten Weltkrieg entfacht. Er tat es für die Unabhängigkeit Bosniens von der Donau-Monarchie. Das brodelnde Völkergemisch auf dem Balkan ist auch am Ende des Jahrhunderts wieder Europas größter Krisenherd.

1916 - Die Hölle von Verdun
"Ich sage euch Lebewohl, meine lieben Eltern", schreibt Soldat Otto Heinebach. Es ist der 20. Februar 1916. Der Berliner Student weiß genau, was ihm bevorsteht: "Wenn ich falle, tragt es bitte mit Fassung. In Gedanken lösche ich meine Lebenslampe am Vorabend dieser furchtbaren Schlacht. Vergesst mich nicht." Am nächsten Tag bricht der Sturm auf Verdun los - Otto Heinebach stirbt in den ersten Morgenstunden im Feuerhagel.
Es ist die grausamste und längste Schlacht des Ersten Weltkriegs: Monatelang gab es keinerlei Vorankommen. 300.000 deutsche und französische Soldaten sterben, weitere 770.000 werden verwundet. Am 2. September 1916 stellt das deutsche Heer die Kampfhandlungen vor Verdun ein - es steht wieder in seiner Ausgangsstellung und hat keinen Gewinn von Territorium erzielt. Bis heute steht allein das Wort "Verdun" als ewiges Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges.(Foto Quelle: ZDF)

1917 - Die rote Revolution

Petersburg, 25. Oktober 1917: Im Kabinettszimmer des Winterpalais dinieren die Minister der Regierung Kerenski. Zur gleichen Zeit stehen aufrührerische Bolschewiki am nahen Newa-Ufer. Sie überraschen die Minister beim Nachtisch: "Sie alle sind verhaftet", erklärt der Anführer der Truppe. Und Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Lenin verkündet: "Die Geschichte verzeiht uns nie, wenn wir jetzt nicht die Macht ergreifen."Der Sturm auf das Winterpalais - ein revolutionärer Spaziergang. Lenin wurde der erste kommunistische Führer dieses Jahrhunderts. Obwohl die sozialistische Welt untergegangen ist, glauben einige "Betonköpfe" noch immer an sie - so in China und Nordkorea.

1918 - Es lebe die Republik!

9. November 1918: "Schamloser Verrat", tobt Deutschlands Kaiser Wilhelm II. im belgischen Spa. Die Nachricht über das Ende seiner Herrschaft ereilt ihn im deutschen Hauptquartier hinter der Front. "Die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe die Republik!", ruft der SPD-Abgeordnete Philipp Scheidemann wenig später vom Berliner Reichstag herab. Der Umsturz entstand aus der Niederlage: Im August war das deutsche Heer geschlagen, der Erste Weltkrieg verloren. Es ist der Anfang der deutschen Demokratie - doch ihr stehen schwere Zeiten bevor: Reparationszahlungen an die Sieger, Hyperinflation, aber auch Umsturzversuche von rechts und von links. Wirklich begeistern kann sich kaum jemand für diese erste deutsche Republik: "Weimar" gilt im Rückblick als "Demokratie ohne Demokraten".

1919 - Der diktierte Frieden

28. Juni 1919: Im Versailler Prunkschloss drängeln sich Regierungschefs. "Führen Sie die Deutschen herein!" Den Worten des "Tigers" folgt unheimliche Stille. Georges Clemenceau, Frankreichs Ministerpräsident, hat wirklich etwas Raubtierhaftes. Da erscheinen sie - die Deutschen. "Die waren todblass", so ein US-Diplomat, "erschienen nicht wie brutale Militaristen." Kaum jemand kennt Außenminister Müller und Kolonialminister Bell. Sie unterschreiben bedingungslos den Friedensvertrag. Dann folgen Vertreter der 27 Staaten, gegen die das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg führte. Der Vertrag von Versailles wird Sinnbild für ein nationales Trauma: Deutschland hatte alles verloren.
20 Jahre später beginnt Deutschland den fürchterlichsten aller Kriege überhaupt - den Zweiten Weltkrieg. Hitler schöpfte einen Großteil seiner Macht aus dem verletzten Stolz der Deutschen.

10.25 - 12.20 Uhr
Verrückte Jahre
1920 - 1932 l Dokumentation l Moderator: Guido Knopp

1920 - Die große Prohibition

16. Januar 1920: Produktion, Transport und Verkauf von Alkohol werden in den USA von heute auf morgen verboten. Doch der verordneten Moral folgt maßloses Trinken: Alkoholsünder schleichen zu getarnten Kneipen, klopfen in Hinterhöfen an unscheinbare Türen. Gucklöcher gehen auf, Codeworte werden geflüstert. Eine halbe Million Amerikaner werden bis 1930 verhaftet. Auch Al Capone muss vor Gericht: "Ich verkaufe nur Bier und Whiskey an ehrbare Bürger", sagt der Gangster den Richtern ins Gesicht. "Leute wie Sie sind meine besten Kunden." Kriminalität, Schwarzhandel und Korruption feiern ein rauschendes Fest. 1933 wird das Gesetz aufgehoben. Alkohol ist heute weltweit die legale Droge Nummer eins.

1922 - Mussolinis Marsch auf Rom
30. Oktober 1922: Benito Mussolini besucht die Mailänder Scala, fährt dann per Zug nach Rom - mit Verspätung. Pathetisch lässt Mussolini den Bahnhofsvorsteher verkünden: "Ab sofort haben alle Züge pünktlich zu fahren." Pünktlichkeit in Italien - die Nation tobt vor Begeisterung. Ordnung und Sicherheit verspricht der faschistische Frontkämpfer. Der begeisterte König erteilt Mussolini den Auftrag zur Regierungsbildung, vom Parlament erhält er eine Generalvollmacht. Ein tragischer Irrtum: 23 Jahre später wird Mussolini auf dem Domplatz in Mailand von ehemaligen Gefolgsleuten gehängt. Statt zu alter Größe führte er das Land in die Niederungen des Faschismus. Bis heute leidet Italien unter dieser nationalen Katastrophe - und Rechtsextreme sind weiterhin im Parlament. (Foto Mussolini; Quelle: ZDF)

1922 - Das Grab des Tutenchamun

26. November 1922: Bei Luxor, im "Tal der Könige", herrscht ehrwürdige Stille. "Zuerst sah ich nichts", erinnert sich Howard Carter. "Dann tauchten aus dem Staub Einzelheiten auf: Tiere, Statuen, überall glitzerndes Gold." Der Hobby-Archäologe entdeckt das völlig unberührte Grab des Tutenchamun, die Mumie des vergessenen Pharao: Hände über die Brust gekreuzt, Augen nach oben gerichtet, seit 3.300 Jahren zur Ruhe gebettet. Es ist die sensationellste Entdeckung des Jahrhunderts. Sie beflügelt die Phantasie der Menschen und lässt sie noch heute von vergangenen Reichtümern träumen. Ägypten wird zum Mekka der Altertumsforscher.

1923 - Hitlers Putsch

Der Abend des 8. November 1923: Mehr als 3.000 Menschen drängeln sich im dunklen Münchner Bürgerbräu-Keller. NS-Führer Adolf Hitler wartet sichtlich nervös vor dem Versammlungssaal, stürmt um 20.30 Uhr mit gezogener Browning hinein. "Er rannte zum Rednerpult, schoss mit dem Revolver in die Decke", erinnert sich Augenzeuge Günther Grassmann. Hitler erklärt die bayerische Regierung für abgesetzt. Einfach so. Grassmann: "Mir kam das alles extrem komisch vor. Wie ein Kasperltheater." Drei Monate später wird dem Putschisten der Prozess gemacht. Das Urteil: Fünf Jahre Festungshaft. Im Gefängnis schreibt Hitler das Pamphlet "Mein Kampf". Neun Monate später wird er entlassen, neun Jahre später Reichskanzler: Eine Machtübernahme mit verheerenden Folgen für Deutschland und die Welt - durch jenen Mann, den zur rechten Zeit keiner ernst nahm.

1924 - Stalins Griff zur Macht

21. Januar 1924: Wladimir Iljitsch Lenin, erster Regierungschef Sowjetrusslands, stirbt. Auf diesen Tag hat Josef Stalin sehnlichst gewartet. Als ZK-Generalsekretär schaltet er alle Konkurrenten um die politische Führung aus. "Der Stählerne" nimmt sogar Leo Trotzki, dem Gründer der Roten Armee, alle Parteiämter, jagt ihn ins Exil und lässt ihn Jahre später ermorden. "Stalin fühlte sich als allmächtiger, geheimnisvoller Gott", so Schriftsteller Ilja Ehrenburg. Fast 30 Jahre ist Stalin Herrscher der UdSSR. Mit Terror erzwingt er Gefolgschaft, lässt Millionen töten. Seine Gräueltaten zeigen, was Diktatoren einem Volk antun können. Beispiel von heute: Nordkorea.

1925 - Chaplin im Goldrausch
Die große Suche nach dem Glück: Ein Vagabund zieht in einem Goldgräberzug westwärts - behauptet sich gegen Alaskas grimmige Kälte und rauhe Sitten ungehobelter Kerle, besiegt den Hunger mit seinem Stiefel, verspeist ihn mit den feinsten Tischmanieren: 1925 hat Chaplins Film "Goldrausch" in New York Premiere. "Ein einziger Mann auf dieser Welt kann Menschen fünf Minuten ununterbrochen zum Lachen bringen", jubelt BBC-Sprecher Uncle Rex: "Charlie Chaplin!" Seine Komödien bringen Hollywood Ruhm und Geld. Dieser Stadtteil von Los Angeles steht weltweit und bis heute für die Sehnsucht der Menschen, dem Alltag zu entfliehen. (Foto Quelle: ZDF)

1926 - Die schwarze Venus

Dem Publikum im Théatre des Champs-Élysées stockt der Atem: Auf der Bühne steht ein Mädchen, schlank, dunkelhäutig, fast vollkommen nackt. Um ihre Hüften wippen - Bananen! Josephine Baker, 19 Jahre, Amerikanerin. In der Fassungslosigkeit setzt Musik ein. Und mit ihr ein Tanz, den selbst die Pariser noch nie gesehen haben: Erotik und Exotik pur. Der temperamentvolle Tanz trifft den Nerv der Zeit. Wie ein Fieber verbreitet sich der Charleston über Europa - Shimmy, Foxtrott und Onestep folgen. Die schwarze Venus wird zum Sinnbild der "wilden 20er-Jahre". Das Jahrhundert, in dem fast alle Tabus brechen, hat begonnen.

1927 - Der erste Ozeanflug

Mitten in der Nacht steht Charles Lindbergh auf, fährt zum Flugplatz. "Ich darf nicht länger warten", sagt er sich. Eine Wolkendecke hängt über Long Island, der Regen hat das Flugfeld in eine Rutschbahn verwandelt. Schwerfällig hebt die Maschine ab, knapp überwindet sie eine Telegrafenleitung, verschwindet dann im Nebel. Lindbergh kämpft gegen Wind, Wetter und Übermüdung - für den ersten Alleinflug über den Atlantik. Nach einer Ewigkeit entdeckt er Fischerboote, schreit hinunter: "Wo geht's nach Irland?" - Keine Antwort. Nach 33,5 Stunden landet Lindbergh in Paris - die Menschen feiern seinen Mut. Das Flugzeug wird zum fortschrittlichsten Verkehrsmittel, Kontinente verlieren ihre Dimension. Hunderte Maschinen pendeln heute täglich über den Atlantik.

1928 - Die Jahrhundertmedizin

Der Londoner Bakteriologe Alexander Fleming macht Urlaub. Eine Kulturschale, in der er Bakterien angesetzt hatte, bleibt aus Versehen auf dem Arbeitstisch liegen. Winzige Pilzsporen landen in der Kultur. Als Fleming nach drei Wochen zurückkehrt, sind alle Bakterien in der Umgebung des Schimmelpilzes abgestorben. Der Forscher untersucht das Phänomen - und kommt einer Substanz auf die Spur, die viele Erreger schwerer Infektionskrankheiten tötet. Flemings Unachtsamkeit ist die Mutter einer der größten medizinischen Entdeckungen des Jahrhunderts: Penizillin. Im Zweiten Weltkrieg überleben Soldaten Verletzungen, die im Ersten noch tödlich waren. Bakterien haben ihren größten Schrecken verloren - heute hofft die Medizin auf einen ähnlichen Glücksgriff im Kampf gegen Viren, zum Beispiel AIDS.

1929 - Der Schwarze Freitag

New York, 25. Oktober: Leute, die gestern noch Millionäre waren, verhökern den Schmuck ihrer Frauen. Der Grund: Die Kurse an der Börse fallen ins Bodenlose, Panik greift um sich. Tumult auch auf der Straße: Wütende Kleinanleger versammeln sich in der Wallstreet. An diesem einen Tag werden mehr als 16 Millionen Aktien verschleudert, 5.000 Banken erklären sich für zahlungsunfähig, neun Millionen Sparguthaben existieren nicht mehr. Gesamtverlust: 50 Milliarden Dollar. Es kommt zur ersten Weltwirtschaftskrise. Am Ende des Jahrhunderts prosperiert der Aktienmarkt, Wertpapiere werden zur Rücklage für jedermann. Doch der Einbruch 1987 hat erneut gezeigt: Den großen Börsen-Crash kann es immer wieder geben.

1930 - Gandhis Salzmarsch

Der alte Mann schlägt ein Tuch um seinen ausgemergelten Körper. Auf einen Stock gestützt bricht er auf, will zu Fuß die Küste am Arabischen Meer erreichen, 200 Meilen in 24 Tagen: Mahatma Gandhi. "Ich will das britische Volk durch Nicht-Gewalt bekehren", sagt er leise, "es so zur Erkenntnis des Unrechts führen, dass man Indien zugefügt hat." Tausende schließen sich unterwegs an. Am Strand von Dandi angekommen, sammelt er demonstrativ Salzkristalle auf. Mit diesem symbolischen Akt verletzt Gandhi bewusst das britische Salzmonopol - die Kolonialmacht England wird ins Mark getroffen. Sein Verstoß endet 14 Jahre später mit der Unabhängigkeit Indiens, der größten Demokratie der Welt. Gandhis ziviler Ungehorsam wurde Vorbild für viele im 20. Jahrhundert, zum Beispiel für die deutsche Friedensbewegung - passiver Widerstand statt Randale.

1932 - Weimar am Ende

Stunde um Stunde steht der unbekannte Arbeitslose an diesem kalten Wintertag auf der Straße. Mehr als sechs Millionen Deutsche haben keinen Job, viele betteln vor Fabriktoren um Arbeit. Enttäuschte Hoffnung schlägt in Resignation um. Als Hitler an die Macht kommt, gibt es in der Waffenindustrie und im Autobahnbau plötzlich wieder Beschäftigung - eine zweifelhafte Leistung lullt die Massen ein.
Weltweit ist heute die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die größte politische Herausforderung. Man hat gelernt: Ein Volk ohne Jobs fällt leicht auf selbst ernannte Heilsbringer herein. Am Ende des Jahrhunderts sitzen Rechtsextreme erneut in deutschen Parlamenten.

12.20 - 13.35 Uhr
Hitler an der Macht
1933 - 1938 l Dokumentation l Moderator: Guido Knopp

1933 - Hitlers Machterschleichung

Berlin, 30. Januar 1933: Ein bitterkalter Wintermorgen, Menschen in Warteschlangen vor Wohlfahrtsküchen frieren bei minus 10 Grad. Plötzlich um halb elf: "Heil"-Rufe unter den Passanten - erst einzelne, dann immer mehr. In langen Mänteln fahren Hitler, Göring und Frick im offenen Mercedes zur Reichskanzlei. Kurz vor zwölf: Hitler schwört den Amtseid auf die Republik, Präsident von Hindenburg ernennt ihn zum Reichskanzler. "Die Masse ist wie ein Weib", sagt Hitler danach, "und als solche mache ich sie mir jetzt gefügig. Keine Macht der Welt wird mich hier jemals lebend wieder herausbringen." Den Verrückten durch Macht zu beschwichtigen, das war der vielleicht größte Irrtum der Weltgeschichte. In Hitlers "1000-jährigem Reich" erlebt Deutschland seine schwärzeste Phase - ein leichtfertig verschuldetes, bleibendes Trauma.

1934 - Maos langer Marsch

Vom Berg schreit eine Stimme in den Wind: "Durchhalten heißt siegen!" Die rote Fahne weht auf dem Gipfel, daneben steht Mao Tse-tung. "Seht her, sogar der Schneesturm verneigt sich vor unserem Banner." Monatelang schleppen sich 100.000 kommunistische Bauern-Kämpfer über Chinas unwirtliche Gebirge. Zu Fuß und auf Pferden folgen sie Mao - 12.000 Kilometer. Die Flucht vor der militärisch weit überlegenen nationalistischen Armee wird zum Siegeszug: Mao zieht die Massen in seinen Bann, schließlich auch die gegnerischen Soldaten. Der leuchtende Führer der KP steht für die Scheinheiligkeit der Diktatur: Mao selbst lebte bis zum Tode in Saus und Braus.

1936 - Im Augenblick des Todes

Die Wucht der Kugel trifft den spanischen Soldaten im vollen Lauf. Den Bruchteil einer Sekunde scheint er zu schweben: Oberkörper nach hinten gerissen, Arme wie ein Schmetterling weit ausgebreitet. Es sieht aus, als will er sein Gleichgewicht noch einen Atemzug lang halten. Doch einen Moment später schlägt sein Körper rücklings auf den Boden. Er ist tot. Zehntausende sterben im Spanischen Bürgerkrieg. Die nordspanische Stadt Guernica wird durch nagelneue Flugzeuge der deutschen Legion Condor, die auf Seiten des General Franco kämpft, völlig zerstört.
Nach dem Sieg der Nationalisten tritt Franco an die Spitze einer autoritären Regierung, die in Spanien bis 1975 an der Macht bleibt. In seinem Bild "Guernica" thematisiert der Maler Pablo Picasso diese erste totale Vernichtung einer Stadt mit modernen Kriegsmitteln: die Mutter mit zerfetztem Kind als Sinnbild des menschlichen Leids, das Pferd, das die leidende Bevölkerung im Kriege symbolisiert, die Zunge als Granate geformt. Picassos berühmtes Bild wird weltweit zum mahnenden Symbol für die Schrecken des Krieges - im angebrochenen Jahrhundert der Massenvernichtungswaffen.

1936 - Der schöne Schein

Dramatisches Finale: Im Weitsprung-Duell besiegt der schwarze Amerikaner Jesse Owens den Deutschen "Arier" Lutz Long. Vor den Augen der entsetzten NS-Prominenz praktizieren die beiden bei Olympia in Berlin dann auch noch Völkerfreundschaft - umarmen sich, legen sich Seite an Seite ins Gras, kauen Halme wie Schulfreunde. Mit viermal Gold wird Owens zum Liebling der Massen. Nach den Spielen fällt die Fassade der Nazis wieder: "Die Amerikaner lassen sich ihre Medaillen von Negern gewinnen", grummelt Hitler. Erstmals werden die friedlichen Weltspiele von politischen Ideologien überschattet - aber nicht zum letzten Mal.

1937 - Das Zeppelin-Inferno

Leichter Nieselregen über Lakehurst bei New York. "Plötzlich herrschte seltsame Stille", erinnert sich der Passagier Leonhard Adelt. "Die Motoren schwiegen. Es war, als hielte die ganze Welt den Atem an." Friedlich schwebt das riesige Schiff in 25 Meter Höhe am Ankermast. Nur wenige an Bord hören die gedämpfte Explosion, die das große Inferno ankündigt. Plötzlich schreit ein Offizier: "Das Schiff brennt!" Der Bug schnellt nach oben, Passagiere werden herauskatapultiert. Die "Hindenburg", größtes und luxuriösestes Luftschiff der Welt, wird in Sekunden zur Fackel: 35 Menschen sterben. Roosevelt schickt Hitler ein Beileidstelegramm. Das schnelle Ende eines neuen Verkehrsmittels: Kein einziger zahlender Passagier reiste seit diesem Tag mehr in einem Luftschiff.

1937 - Stalin der Diktator

Das Mädchen aus Sibirien lächelt glücklich, ihre schwarzen Mandelaugen strahlen. Vertrauensvoll schmiegt sich die siebenjährige Gelja Marzikova an die Schulter des fremden Mannes, überreicht ihm Blumen. Josef Stalin, der allmächtige Diktator, hat sie gütig lächelnd auf seinen Arm genommen. Stalin, wie er sich der Öffentlichkeit zeigt: als gutmütiges "Väterchen". Als er 1953 stirbt, ist Gelja, inzwischen Waise, endlos traurig. "Viel später habe ich erfahren, welch schreckliche Verbrechen Stalin begangen hat", sagt die alte Frau heute. Erst nach Jahrzehnten erkennen die Russen die wahre Fratze Stalins - viele jedoch glorifizieren ihn bis heute. Seinen Gräueltaten am eigenen Volk fielen mehr Menschen zum Opfer als den Deutschen im Weltkrieg. Auch Geljas Eltern. (Foto Josef Stalin; Quelle: ZDF)

1938 - Der erkaufte Friede

Zufriedene Mienen bei den Nazis: Göring und Hitler sehen zu, wie der Franzose Daladier nach dem Briten Chamberlain und dem Italiener Mussolini das "Münchner Abkommen" unterzeichnet. Das Sudetenland wird an das Reich abgetreten, dort lebende Tschechen müssen das Gebiet räumen. Doch insgeheim will Hitler den Krieg. Der Streit um das Sudetenland ist nur ein Schritt auf dem Weg an sein Ziel: Eroberung von "Lebensraum im Osten". Hitler sucht "den Kampf lieber als 50-jähriger als mit 55 oder 60".
Die Sudetendeutschen bereiten ihm nach dem Erfolg von München einen triumphalen Empfang - erst viel später merken sie, dass sie nur Statisten in Hitlers bösem Spiel waren. Nach dem Krieg rächen sich die Tschechen: Hunderttausende Sudetendeutsche werden enteignet und vertrieben. Das begangene Unrecht auf beiden Seiten trübt das Verhältnis Bonn-Prag bis zum Ende des Jahrhunderts.

1938 - Die Pogromnacht

Emden am 9. November: "Es klirrt, Scheiben splittern", erinnert sich der Überlebende Walter Philipson. "Ich höre Schreie, sehe, wie Menschen aus Fenstern gestoßen werden." SA-Horden brechen die Tür zu seinem Elternhaus auf, schießen seinem Vater in die Brust. Auf Befehl des Führers zerstört und plündert die SA jüdische Geschäfte, verprügelt und tötet die Inhaber und ihre Familien. 30.000 Menschen werden in Lager verschleppt, 1.400 Synagogen zerstört. Mörderische Gewalt gegen Juden wird mitten in Deutschland entfesselt - lange bevor sie in den Vernichtungslagern Methode wird. Die zynisch so genannte "Reichskristallnacht" ist ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Gaskammern.

1939 - Der Überfall

Danzig im Morgengrauen des 1. Septembers: Um 4.47 Uhr gibt Kapitän Gustav Kleikamp den Befehl: "Feuer!" Sämtliche Geschütze des Linienschiffs "Schleswig-Holstein" feuern auf ein polnisches Munitionsdepot - ohne vorherige Kriegserklärung. 10 Uhr: Hitler tritt vor den Berliner Reichstag und verkündet: "Polen hat den Kampf um Danzig eröffnet. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen." Es wurde geschossen, doch es waren die Deutschen, die das Feuer eröffnet hatten. Hitler hatte den Angriff auf Polen am Vortag befohlen. Er brach damit einen Krieg vom Zaun, den er stets gewollt und immer wieder, wenn auch unfreiwillig, verschoben hatte. Und jetzt verknüpfte er das Schicksal Deutschlands endgültig mit seinem eigenen Lebenslauf. "Ich habe in meinem Leben immer Alles oder nichts gespielt."
Für Hitler hieß das: Weltherrschaft oder Untergang. 3.200 Panzer und mehr als 1,5 Millionen deutsche Soldaten rückten in Polen ein. Vor ihnen lagen die Unterwerfung und Zerstücklung Polens, die Zerstörung seiner Hauptstadt Warschau, eine erste Kette von brutalen Massenmorden. Und ein schrecklicher Krieg mit Millionen von Toten, der zeigen sollte, zu welcher bis dahin unvorstellbaren Brutalität Menschen fähig sind.

13.35 - 15.05 Uhr
Totaler Krieg
1939 - 1945 l Dokumentation l Moderator: Guido Knopp

1939 - Der Überfall

Danzig im Morgengrauen des 1. Septembers: Um 4.47 Uhr gibt Kapitän Gustav Kleikamp den Befehl: "Feuer!" Sämtliche Geschütze des Linienschiffs "Schleswig-Holstein" feuern auf ein polnisches Munitionsdepot - ohne vorherige Kriegserklärung. 10 Uhr: Hitler tritt vor den Berliner Reichstag und verkündet: "Polen hat den Kampf um Danzig eröffnet. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen." Es wurde geschossen, doch es waren die Deutschen, die das Feuer eröffnet hatten. Hitler hatte den Angriff auf Polen am Vortag befohlen. Er brach damit einen Krieg vom Zaun, den er stets gewollt und immer wieder, wenn auch unfreiwillig, verschoben hatte. Und jetzt verknüpfte er das Schicksal Deutschlands endgültig mit seinem eigenen Lebenslauf. "Ich habe in meinem Leben immer Alles oder nichts gespielt."
Für Hitler hieß das: Weltherrschaft oder Untergang. 3.200 Panzer und mehr als 1,5 Millionen deutsche Soldaten rückten in Polen ein. Vor ihnen lagen die Unterwerfung und Zerstücklung Polens, die Zerstörung seiner Hauptstadt Warschau, eine erste Kette von brutalen Massenmorden. Und ein schrecklicher Krieg mit Millionen von Toten, der zeigen sollte, zu welcher bis dahin unvorstellbaren Brutalität Menschen fähig sind.

1940 - Hitler in Paris

Der "Gröfaz", der "größte Feldherr aller Zeiten", erkundet als "Tourist" Paris, besteigt den Eiffelturm, fährt über die Champs-Élysées, verneigt sich am Grab Napoleons. Und genießt den größten Triumph seines Lebens: Frankreich hat kapituliert, der Westfeldzug ist beendet. In kurzer Zeit hat er halb Europa unterworfen. Die deutsche Wehrmacht scheint unbesiegbar. Doch der Exil-General Charles de Gaulle bleibt kämpferisch: "Unser Widerstand ist ungebrochen." Wenige Deutsche ahnen, dass Hitlers "glorreichstem Sieg" weitere Feldzüge und schließlich die totale Niederlage folgen sollten. Nach dem Krieg kam es zu vorsichtigen Annäherungsschritten zwischen den angeblichen "Erbfeinden". Heute ist die enge deutsch-französische Freundschaft zum verlässlichsten Motor der europäischen Vereinigung geworden.

1941 - Das "Unternehmen Barbarossa"

22. Juni 1941: Stalin wird durch die Meldung vom Angriff Deutschlands aus dem Schlaf gerissen. Um 4.30 Uhr morgens tagt die erste Krisenrunde im Kreml. Stalin will es nicht wahrhaben: "Alles nur Provokationen!" Fakt ist: Hitler hat den Angriff auf die Sowjetunion befohlen. Mitten in der Nacht bricht das Inferno auf einer Länge von 1.600 Kilometern aus 7.000 Geschützen los.
Nachdem Westeuropa überrannt war, brechen zwischen Ostsee und Karpaten drei Millionen deutsche Soldaten auf, um "Lebensraum" zu erobern. Sieben deutsche Armeen, vier Panzerverbände und drei Luftflotten dringen nach Osten vor. Im Sommer 1941 kontrollieren deutsche Truppen ganz Europa. Nie zuvor forderte ein Krieg so viele Opfer auf allen Seiten - mehr als 50 Millionen. Er gerät zum mörderischsten Schlachten der neuen Geschichte, die Welt ertrinkt in einem Meer von Blut und Tränen. Der Zweite Weltkrieg brachte die Überzeugung, dass durch Krieg niemand wirklich gewinnen kann.

1941 - Angriff auf Perl Harbour

7. Dezember 1941: Ein klarer Sonntagmorgen auf den Hawaii-Inseln. Plötzlich dröhnt der Himmel über dem Marinestützpunkt "Pearl Harbor". In mehreren Wellen röhren 360 japanische Kampfflugzeuge im Tiefflug über den Hafen, Torpedos und Bomben fallen. Eine durchschlägt das Vorderdeck des US-Schlachtschiffs "Arizona" und detoniert in den Munitionskammern. Die Explosion hebt den Rumpf fünf Meter aus dem Wasser. Sechs Decketagen schmelzen im Flammenmeer, ein großer Teil des Schiffs versinkt in der Tiefe: 1.177 Mann sterben. Im Bombenhagel versinken Zerstörer, Kreuzer und Flugzeuge der US-Navy. Die Vereinigten Staaten treten in den Krieg ein und mobilisieren ihre gewaltige Wirtschaftsmacht. Die überlegene Militärmaschinerie, die in den folgenden Jahren entsteht, fegt erst Hitlers "Drittes Reich" von der Weltbühne, dann - durch den Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima - Japans Regime.

1942 - Tatort Auschwitz

Auf der "Wannsee-Konferenz" beschließen die Nazis die "Endlösung der Judenfrage". Das Wort "Liquidation" taucht im Protokoll nicht auf, doch Hitler spricht Tage später offen aus, was gemeint ist: "Die Vernichtung des Judentums". Massenmord nach Plan. Juden werden in Güterwaggons gepfercht. Die Todesfahrt geht ins besetzte Polen. Endstation Auschwitz: Allein hier sterben eine Million Menschen den qualvollen Tod in den Gaskammern. Erst Ende 1944 endet das Morden in den Vernichtungslagern im Osten. Die grausige Bilanz des Holocaust: sechs Millionen Tote. Der Ortsname Auschwitz bleibt das Synonym für mörderischen Rassenwahn. Noch heute leiden die Überlebenden unter ihren Erinnerungen.

1943 - Entscheidung Stalingrad

Neun eisige Winterwochen ist die sechste deutsche Armee in Stalingrad eingekesselt. "Munition praktisch verschossen", funkt General Friedrich Paulus nach Berlin, er will die Kapitulation. Hitler lehnt ab. Er befördert Paulus stattdessen zum Generalfeldmarschall. Der Diktator will den Untergang seiner Armee - neue Heldenlegenden sind ihm lieber als eine schmachvolle Niederlage. 146.000 Soldaten sind dem Wahn an der Wolga schon zum Opfer gefallen. "Sie starben, damit Deutschland lebe", heißt die offizielle Lesart.
Am Ende kapituliert Paulus mit 90.000 Soldaten. Nur 6.000 von ihnen werden - nach langen Jahren der Gefangenschaft - die Heimat lebend wiedersehen. Die Niederlage von Stalingrad führt vielen Deutschen Anfang 1943 vor Augen, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist. Doch Goebbels schreit in den Berliner Sportpalast: "Wollt ihr den totalen Krieg?" Das tosende Publikum will ihn, und Deutschland wird ihn in den folgenden beiden Jahren erleben - bis zum bitteren Ende. (Foto Quelle: ZDF)

1944 - Der längste Tag

Es ist ein Überraschungscoup: Im Schutz der Dämmerung des 6. Juni tauchen die 4.126 alliierten Landungsboote vor der Küste der Normandie auf. Allein an diesem Tag setzen sie 150.000 Soldaten an Land - der Endkampf um Europa hat begonnen. Schon in der Nacht hatten alliierte Bomber Angriffe auf die Küste geflogen, tausende Fallschirmjäger waren von Transportflugzeuge abgesetzt worden. Hitler und das Oberkommando der Wehrmacht hatten mit einer Invasion am Pas de Calais gerechnet.
Trotzdem tobt im amerikanischen Angriffssektor "Omaha Beach" das Inferno. Fast 2.000 GIs fallen im tödlichen Feuer der Maschinengewehre, die aus den deutschen "Atlantikwall"-Bunkern auf sie zielen. Am Ende des "längsten Tages" ist der Sprung auf den Kontinent geglückt. Der erste Schritt bei dem noch elf Monate dauernden Kampf bis zur endgültigen Befreiung Europas vom Nazi-Terror war getan.

1945 - Die rote Fahne auf dem Reichstag

Nach tagelangem blutigem Kampf fällt Berlin. Auf dem ausgebombten und zerschossenen Reichstag hissen Sowjetsoldaten die rote Fahne, nehmen Besitz vom letzten Teil der Reichshauptstadt. Inszeniert wird das ganze am 2. Mai von dem russischen Fotografen Jewegenij Chaldej als Siegesdokument für die Rote Armee. Sowjetsoldaten hatten zuvor Etage um Etage, Raum um Raum des Reichstags gegen den sinnlosen Widerstand deutscher Soldaten erobert.
Noch heute finden sich auf den alten Mauern im Inneren des Gebäudes die stolzen Graffiti der sowjetischen Eroberer. Zwei Ehrenmale, eins im ehemaligen Ostteil, ein anderes im ehemaligen Westteil Berlins, erinnern heute an den gewaltigen Blutzoll, den der Zweite Weltkrieg allein der Bevölkerung der Sowjetunion abforderte: 20 Millionen Menschenleben.

1945 - Die Bombe

Sommer in Hiroshima: 27 Grad. Es ist windstill. Die Menschen auf den Straßen ignorieren den Luftalarm. Nur drei Flugzeuge sind am Himmel zu sehen. Die Japaner ahnen nichts von der tödlichen Fracht an Bord des Bombers "Enola Gay". Um 8.15 Uhr klinkt Bordschütze Tom Feerebee "Little Boy" aus - der erste Kampfeinsatz einer Atombombe. Sie detoniert 43 Sekunden später über der 300.000-Einwohner-Stadt. Sturm und Höllenfeuer breiten sich mit einer Geschwindigkeit von 1.200 Kilometer pro Stunde aus: 70.000 Einwohner sterben sofort, bis 1950 steigt die Opferzahl auf 200.000 an. Um den Kriegsgegner Japan endgültig in die Knie zu zwingen, werfen die Amerikaner drei Tage später eine zweite Bombe ab. Sie trifft die Stadt Nagasaki - durch die Explosion und Strahlenschäden sterben bis 1950 fast 140.000 Menschen.
Kaiser Hirohito kapituliert wenige Tage nach den Abwürfen. Die Nachkriegswelt wird von der Bombe nachhaltig geprägt: Der Atomkrieg wird zur größten Bedrohung, der sich die Menschheit je ausgesetzt sah - paradoxerweise aber auch zum Friedens-Garanten im Kalten Krieg zwischen Ost und West.

15.05 - 16.45 Uhr
Neubeginn
1946 - 1955 l Dokumentation

1946 - Das Tribunal der Sieger

Nürnberg: Umringt von US-Soldaten sitzen sie im Scheinwerfer-Licht in zwei Reihen auf Holzstühlen - 20 Repräsentanten des NS-Staates, die dem "Dritten Reich" an höchsten Stellen dienten. Darunter: Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel. Die Anklage: Verschwörung und Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit.
Hitler, Goebbels und Himmler hatten sich vorher durch Selbstmord aus der Verantwortung gestohlen. Nur wenige Täter zeigen Reue. Ex-Außenminister von Ribbentrop erklärt: "Jetzt kann ich meine schönen Memoiren nicht mehr schreiben." Am 1. Oktober verkündet der Vorsitzende die Urteile: Strang für einige, lange Haft für viele. In den Westzonen verurteilen Militärgerichte in der Folgezeit mehr als 5.000 Angeklagte. "Warum wurden solche Prozesse nicht schon vor 1.000 Jahren geführt? Dem Globus wäre viel Blut und Leid erspart geblieben", schreibt Schriftsteller Erich Kästner.

1947 - Kampf um Israel

Tel Aviv: Die Nachricht aus New York löst Jubel aus. Die UN-Vollversammlung beschließt Palästinas Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Teil. Unter der Davidstern-Fahne ziehen Anhänger des Judenstaates durch die Straßen der Stadt. "Nach zwei Jahrtausenden Finsternis bricht endlich die Morgenröte der Erlösung an", verkündet Oberrabbiner Isaac Herzog. Doch die arabische Bevölkerung reagiert. Sie greift zu den Waffen. Ströme von Blut werden im 20. Jahrhundert im Heiligen Land vergossen. Ob Araber und Juden sich je als Nachbarn akzeptieren? Die jüngste Entwicklung gibt Anlass zu Hoffnung.

1948 - Rosinenbomber für Berlin

Berlin: Das Flugzeug von Kapitän Gail Halverson durchbricht die Wolkendecke. Der US-Pilot sieht aus dem Cockpit im Berliner Trümmermeer den Flughafen Tempelhof. Die Punkte am Boden: Kinder, die winkend den Flieger begrüßen. Sie wissen, er hat ihnen etwas mitgebracht. An winzigen Fallschirmen aus Taschentüchern schweben kleine Bündel dem Boden entgegen - mit Kaugummi, Bonbons und Schokolade. Halverson hat neben den Geschenken wertvollen Nachschub für Berlin an Bord. Vom 24. Juni '48 bis 4. Mai '49 sperren sowjetische Truppen alle Zufahrtswege nach West-Berlin. Die alliierten Rosinenbomber transportieren während der Blockade zwei Millionen Tonnen Waren in die geteilte Stadt - per Luftbrücke. Eine neue Epoche bricht an. Sie bestimmt 40 Jahre lang die Geschichte der Welt: der Kalte Krieg zwischen Ost und West.(Foto Quelle: ZDF)

1949 - Die Geburt der Bundesrepublik

Bonn, 20. September 1949: Ein alter Mann wird Kanzler. 73 Jahre "jung" ist der frühere Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer bei seinem Amtsantritt. Vor dem Plenum des Deutschen Bundestages gelobt er feierlich, einem Staat zu dienen, der erst vor wenigen Monaten - am 23. Mai 1949 - aus der Taufe gehoben wurde: der Bundesrepublik Deutschland. Zeitgenosse Egon Bahr heute: "Nur wenige Menschen konnten sich vorstellen, dass Deutschland 40 Jahre lang geteilt sein sollte." Heute ist das ursprünglich provisorische Bonner Grundgesetz die Verfassung für das vereinigte Deutschland.

1951 - Churchills letzte Schlacht

Winston Churchill strahlt Zuversicht aus, als er den 16. Wahlkampf seines Lebens eröffnet. Mit der Geste, die ihn weltberühmt gemacht hat: dem gespreizten Mittel- und Zeigefinger - "V" für Victory. Die Wahlen vom 25. Oktober 1951 führen zur Rückkehr einer Legende: Der Kriegspremier wird nach sechs Jahren Politik-Pause erneut Regierungschef, mit 76 Jahren. Und ohne Selbstzweifel: "Wir alle sind Würmer. Aber ich glaube, ein Glühwurm zu sein." Für die Welt bleibt er der Mann, der im Zweiten Weltkrieg die Freiheit seines Landes und Europas rettete. Auch wenn er selbst am Ende seines Lebens klagte: "Ich habe viel erreicht. Doch zuletzt stehe ich nun mit leeren Händen da: Das Britische Weltreich konnte ich nicht retten."

1953 - Triumph auf dem Mount Everest

29. Mai 1953, 6.30 Uhr: Das Thermometer zeigt minus 27 Grad. Der Neuseeländer Edmund Hillary und sein nepalesischer Sherpa Tensing Norgay brechen auf zum letzten Anstieg. 9.30 Uhr: Sie legen leere Sauerstoff-Flaschen ab. Plötzlich vor ihnen: ein zwölf Meter hohes, steil aufragendes Hindernis aus Felsen und Schneewechten. Doch sie entdecken eine Eisrinne nahe am Abgrund, tasten sich rückwärts hinauf. Oben setzt sich der Grat fort, krümmt sich nach rechts. 11.30 Uhr: Sie haben es geschafft, erreichen als erste Menschen den höchsten Punkt der Erde: den Gipfel des Mount Everest, 8.846 Meter hoch. "Den Schuft haben wir erledigt", sagt Hillary. Die beiden feiern mit Limonade und genießen die Ruhe. Doch damit ist es seither vorbei: Mehr als 700 Menschen haben bis heute auf dem "Dach der Welt" gestanden. Spezialreisebüros bieten die Gipfeltour an: Für 65.000 Dollar machen sie Träume wahr - oder führen direkt in den Tod. Über 150 Frauen und Männer kamen schon ums Leben.

1953 - Die Krönung

London Westminster Abbey: Die 25-jährige Elisabeth besteigt den Thron von Großbritannien und Irland. Der Erzbischof von Canterbury überreicht der jungen Monarchin in einer pompösen Zeremonie Reichsapfel und Zepter, setzt ihr die kiloschwere Krone aufs Haupt. Die Tochter und Nachfolgerin von König Georg VI. wird Herrscherin des Vereinigten Königreichs. Mehr als 7.500 geladene Gäste aus 75 Staaten verfolgen die Inthronisation. Salutschüsse verkünden dem Volk die Krönung. Zwei Millionen Menschen jubeln ihrer Monarchin auf dem Zug zum Buckingham-Palast zu. Heute haben viele Briten ein gespaltenes Verhältnis zur Krone. Sie halten die konstitutionelle Monarchie für nicht mehr zeitgemäß. Skandale und Affären haben die "Royals" zudem in Verruf gebracht.

1953 - Steine gegen Panzer

Kettenrasseln in den Straßen Ostberlins: Das Motorengedröhn der Sowjet-Panzer erschüttert zehntausende DDR-Bürger, die für freie Wahlen demonstrieren. Der russische Stadtkommandant ruft den Ausnahmezustand aus. Doch junge Arbeiter fassen sich ein Herz, marschieren den Angreifern entgegen, schleudern Steine auf die Panzer. Ein Reporter des Westsenders Rias berichtet: "Salven gehen los, Menschen stürzen zu Boden, alles ruft nach Sanitätern." Zwei Tage später ist der Aufstand niedergeschlagen: 21 Tote, 187 Verletzte, 1.200 zu Haftstrafen verurteilte Demonstranten. Im Herbst 1989 bleiben die Panzer in den Kasernen. Es wird Wirklichkeit, was am 17. Juni 1953 noch Utopie war: die Freiheit und Einheit Deutschlands.

1954 - Mythos Marilyn

New York, 52. Straße, Ecke Lexington Avenue: Tausende können sich gar nicht sattsehen an der Schauspielerin beim Drehen einer Filmszene für "Das verflixte siebte Jahr" von Regisseur Billy Wilder. Die Dame vor der Kamera heißt Marilyn Monroe. Sie ist das Objekt der Begierde einer ganzen Nation - zumindest der Männer. Als das Gebläse im U-Bahn-Lüftungsschacht den Rock des Filmstars gewollt hochwirbelt, ist die Menge außer Rand und Band.
Nicht nur die Beine blitzen hervor. Augenzeugen berichten: "Sogar ihr knackiger Po war zu sehen. Da hätten die Russen in Manhattan einmarschieren können - es wäre keinem aufgefallen." Im prüden Amerika der 50er Jahre ist das zu viel Erotik. Die Szene wird im Studio entschärft. Norma Jean Baker - so heißt Marilyn mit bürgerlichem Namen - wird trotzdem zum Sexsymbol Amerikas und der ganzen Welt.

1954 - Die Bombe von Bikini

In der Nähe der Marshall-Inseln im Pazifik werden japanische Fischer urplötzlich nach einem gigantischen Knall von einem Ascheregen bedeckt. Einer von ihnen stirbt durch radioaktive Verstrahlungen, die anderen erleiden unheilbare Verseuchungen. Grund: Die bis dahin größte Explosion der Menschheitsgeschichte. Die USA zünden auf dem Bikini-Atoll ihre Wasserstoffbombe "Bravo". Mit einer Sprengkraft von 1.000 Hiroshima-Bomben erreicht sie das doppelte der vorausberechneten Stärke. 287 Menschen im Umkreis von 255 Kilometern werden verstrahlt, am stärksten die 23 japanischen Fischer in 60 Kilometern Entfernung vom Explosionsort. US-Präsident Dwight D. Eisenhower bekennt: "Die Kontrolle des Atomtests ist unseren Wissenschaftlern entglitten." Die Strahlung machte das Bikini-Atoll bis heute unbewohnbar. Doch der atomare Rüstungswettlauf geht weiter. Die Sowjetunion zündet ein Jahr später eine noch größere Wasserstoffbombe über Sibirien, trotz der unvorhersehbaren Folgen.

1955 - Die Heimkehr der Zehntausend

Die elfjährige Roswitha kennt den Mann nicht. Der Fremde vor ihr in der Winterjacke ist ihr Vater, Karl Wawrzinek. Zögerlich, nur auf Zureden des Großvaters wagt es das Mädchen, den Fremden zu berühren, der immer die Worte "Endlich frei" murmelt. Über ein Jahrzehnt hat ihr Vater als russischer Kriegsgefangener gelitten: ausgemergelt vom ständigen Hunger, erschöpft von der Schinderei in den sibirischen Kohleminen bei eisigen Temperaturen.
Nach der Moskaumission des deutschen Kanzlers Konrad Adenauer im Juni rollen Anfang Oktober Züge mit den letzten 10.000 Kriegsgefangenen in die Bundesrepublik. Die Spätheimkehrer werden mit riesigem Jubel empfangen. Doch es gibt nicht nur Tränen des Glücks: Viele deutsche Familien warten vergebens auf ihre Verwandten - sie kehren nie nach Hause zurück.

16.45 - 19.00 Uhr
Kalter Krieg
1956 - 1968 l Dokumentation

1956 - Der Ungarn-Aufstand

"Wenn Du ein Ungar bist, bist Du mit uns", skandieren Zehntausende auf dem Bem-Platz in Budapest. 200.000 rufen vor dem Parlamentsgebäude nach dem Reformer Imre Nagy. Und auf dem Paradeplatz rückt die aufgebrachte Menge dem Stalin-Denkmal mit Schneidbrennern zu Leibe. Die Ungarn begehren auf - gegen den Stalinismus und die politische Eiszeit. In Budapest wird es Frühling - mitten im Herbst: Diskussionen und Demonstrationen durchbrechen die Mauer des jahrelangen Schweigens. Flugblätter propagieren freie Wahlen, Neutralität für Ungarn, den Abzug der Sowjets. Doch der Ruf nach demokratischer Freiheit wird von russischen Panzern erstickt. Über 30 Jahre brauchen die Ungarn, um sich die politische Unabhängigkeit von Moskau zu erkämpfen. Erst im Juni 1989 öffnet sich der Eiserne Vorhang. In Ungarn bricht der Damm aus Stacheldraht und Minen zuerst. Menschen strömen in die ersehnte Freiheit. Aus dem Ostblockland von einst wird 1999 ein neues Nato-Mitglied.

1958 - Der King des Rock 'n' Roll

Am 1. Oktober 1958 läuft die "USS Randall" mit einem weltberühmten Passagier in Bremerhaven ein. Die Fans geraten außer sich: Der Gefreite Elvis Presley betritt deutschen Boden, bezieht kurz darauf eine Stube in der Army-Kaserne in Friedberg, Hessen. In Uniform verwandelt sich der aufsässige Rebell Elvis zum fahnentreuen Staatsbürger. Noch Mitte der 50er Jahre schockte der Superstar das sittsame Amerika mit seinem rauhen Sex-Appeal.
Und Hits wie "Heartbreak Hotel" oder "Jailhouse Rock" verhelfen dem Rock 'n' Roll zum Siegeszug um die Welt. Elvis verkauft mehr als 500 Millionen Schallplatten, dreht 33 Musikfilme. Nach maßlosen Fressorgien und exzessivem Pillenkonsum stirbt er am 16. August 1977 - mit nur 42 Jahren. Sein Tod macht ihn zur unsterblichen Legende: Noch heute sind Hunderttausende felsenfest davon überzeugt, dass Elvis in Wahrheit nach wie vor am Leben ist. (Foto Elvis Presley; Quelle: ZDF)

1959 - Der Sieg des Fidel Castro

Havanna, 8. Januar 1959: Rebellenführer Fidel Castro zieht in die kubanische Hauptstadt ein. Hunderttausende jubeln ihrem Helden zu: Er hat den korrupten Diktator Batista außer Landes gejagt. Die olivgrüne Uniform, die Cohiba im Mundwinkel - das sind die Markenzeichen des vollbärtigen Revolutionärs. Parolen wie "Sozialismus oder Tod" schrecken Politiker auf. 200 Attentatsversuche der CIA auf Castro sind dokumentiert. Castro wird zu Kubas rotem Diktator. "Er hat sein ganzes Volk als Geisel genommen", sagt Tochter Alina. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ist Kuba auf sich allein gestellt. Die Massen leiden Hunger, Unzählige fliehen in die USA. Doch der 72-jährige Castro klammert sich starr an die Macht.

1960 - Operation Eichmann

Jerusalem, Oberster Gerichtshof: Der Mann hinter den schusssicheren Scheiben trägt Anzug und Krawatte. Ein Mittfünfziger mit schütterem Haar und nervösem Zucken im Mundwinkel: "Judenreferent" Adolf Eichmann, ehemaliger SS-Obersturmbannführer. Der Herr der Todeszüge befahl mit seiner Unterschrift den Tod von Millionen Juden. Der Gerichtsvorsitzende trägt die Anklage vor: "Kriegsverbrechen", "Verbrechen gegen das jüdische Volk". Dazu Eichmann: "Das Schicksal der von mir deportierten Juden interessiert mich nicht. Mich reut nichts." Nach dem Krieg war ihm die Flucht nach Südamerika gelungen. Der israelische Geheimdienst spürt ihn 1960 in Argentinien auf. Eichmann wird in allen 15 Punkten schuldig gesprochen. Das erste und einzige Todesurteil in Israels Geschichte wird im Juni 1962 vollstreckt. Es bleibt die Hoffnung, dass die Welt nie wieder solch grausame Verbrechen erleben wird.

1961 - Der Schock von Berlin

Berlin, 15. August 1961: Conrad Schumanns Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Die Maschinenpistole des 19-jährigen NVA-Unteroffiziers wird schwer. Schweiß rinnt unterm Stahlhelm hervor. Die Zeit drängt: Seit zwei Tagen werden Protestierende mit Gewehren in Schach gehalten. Der Stacheldraht ist nur ein Provisorium, Betonplatten werden herangekarrt. Der Bau der Mauer - der heißeste Tag des kalten Krieges. Conrad Schumann fasst sich ein Herz, setzt über die Stacheldrahtrolle. Sein Sprung macht Geschichte: Als Fanal gegen die Teilung Berlins und Symbol für die Freiheit geht das Bild um die Welt. Aber Deutschland wird erst drei Jahrzehnte später wiedervereint. Bis zu Willy Brandts "Es wächst zusammen, was zusammengehört", ist noch ein weiter Weg.

1962 - Am Rande des Atomkrieges

Seit Stunden analysiert Dino Bruigi die Luftfotos. Plötzlich entdeckt der US-Aufklärungsspezialist Raketen sowjetischer Bauart. Am 15. Oktober 1962 ist der CIA klar: Die UdSSR stationiert auf Kuba Mittelstreckenraketen - nur 150 Kilometer vor der Küste Floridas. Selbst Fidel Castro ist besorgt: "Aber wir fühlen uns aus politischer Sicht verpflichtet." US-Präsident Kennedy befiehlt Verteidigungsbereitschaft für die gesamte US-Nuklearstreitmacht. Die Sowjetunion versetzt den Warschauer Pakt in Alarmzustand. 13 Tage hält die Welt den Atem an. Dann lenkt Nikita Chruschtschow ein, der dritte Weltkrieg ist abgewendet. Doch die Kuba-Krise lehrt: Nicht menschliche Vernunft verhindert die Katastrophe, sondern nur das atomare Patt. Nach dem Ende der Sowjetunion rüsten sogar Staaten wie Indien, Pakistan und der Irak atomar auf.

1963 - Der Jahrhundert-Mord

Dallas, 22. November 1963, 12.33 Uhr: Der Autokorso biegt in die Elm Street ein. Die Kennedys im offenen Wagen: Der Präsident hatte wegen des schönen Wetters darum gebeten. Plötzlich ein Schuss. John F. Kennedy blickt verwundert. Gouverneur Conally dreht sich um, schreit entsetzt: "Mein Gott, die bringen uns um!" Ein zweiter Schuss. Der Präsident greift sich an den Hals, Jacqueline beugt sich erschrocken zu ihm. Der dritte Schuss. Kennedys Kopf schnellt zurück. Seine Frau springt auf, kriecht auf allen vieren über den Kofferraum der Limousine. Ihr rosafarbenes Kostüm ist mit Blut bespritzt. In hastiger Flucht jagt der Wagen zum nächsten Krankenhaus. Um 13 Uhr erklären die Ärzte Kennedy für tot. Aber: Was geschah tatsächlich in Dallas? War Lee Harvey Oswald wirklich der alleinige Mörder? Oder KGB, Mafia, CIA? Unzählige offene Fragen beschäftigen seither Kriminologen, Verschwörungsfanatiker und Kennedy-Fans. Kennedys früher Tod lässt den charismatischen Erneuerer des amerikanischen Traums zum Mythos werden. Die Tragödie der Familie Kennedy endet nicht: Im Juli 1999 verunglückt der Präsidenten-Sohn John jr. tödlich.

1964 - Cassius Clay wird Weltmeister

"Ich bin der Größte", brüllt Cassius Clay die 16.000 Zuschauer an. Als hätten die Boxfans in der Convention Hall von Miami daran noch Zweifel. Der 22jährige Clay hat eben den bis dahin für unbesiegbar gehaltenen Schwergewichtsweltmeister Sonny Liston entthront. Einen Tag später verkündet er seinen neuen Namen: Muhammad Ali, bekennt sich zu den "Black Muslims", der muslimischen Sekte des farbigen Amerikas. Seiner Karriere tut das keinen Abbruch. Von 61 Profikämpfen gewinnt er 56, davon 37 durch K.o.. Dreimal holt er den Weltmeistergürtel. Doch der Preis war hoch. Seit 1984 leidet Ali an der Parkinsonschen Krankheit. Hervorgerufen wurde das Hirnleiden durch die vielen Treffer, die der Boxer einstecken musste. Der Kampf gegen die Krankheit ist Muhammad Alis letzter heroischer Fight. 1996 erhielt er "seine" Goldmedaille ein zweites Mal, nachdem er, versöhnt mit alten Feinden, das Olympische Feuer in Atlanta entzündet hatte. Sein Gold von 1960 hatte der Boxer aus Zorn über die Diskriminierung der Schwarzen in den USA in den Ohio-Fluss geworfen.

1965 - Beatlemania

Die weiblichen Fans schreien und fallen zu Hunderten in Ohnmacht. Wo Die legendären Beatles auftreten, versetzen sie ihr Publikum in nie da gewesenen Begeisterungstaumel. Die vier Musiker aus Liverpool stürmen nicht nur auf die ersten Plätze der Hitparaden, sondern schaffen es sogar bis in den goldenen Ballsaal des Buckingham Palace: Queen Elisabeth höchst persönlich hängt John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr Ritterorden um. Die langhaarigen, aber adrett gekleideten Musiker werden zu "Members of the British Empire". Die Musik der "Fab Four" war längst Welt-Kultur. Die Magie der Beatles hält noch heute an: Die Neuauflage ihres Albums "Yellow Submarine" von 1966, seit wenigen Wochen auf dem Markt, findet wieder reißenden Absatz.

1966 - Das dritte Tor

Tor? Kein Tor! In der 101. Minute des Weltmeisterschaftsfinales zwischen England und Deutschland kracht Hurst's Schuss an die Latte und von dort zurück auf den Boden. Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entscheidet: Bis heute die berühmteste und umstrittenste Fehlentscheidung in der Geschichte des Fußballs. Die deutschen Spieler bestürmen den Unparteiischen. Es nützt nichts. England führt 3:2 und gewinnt am Ende mit 4:2. England ist zum ersten Mal Weltmeister. Für die deutsche Mannschaft ist der Traum vom zweiten Titel nach Bern 1954 geplatzt. Gebrochen und mit hängenden Köpfen schleichen sich die Spieler aus dem Wembley-Stadion.
Die Wiedergutmachung gelingt erst 1996 an gleicher Stelle. Genau 30 Jahre nach dem "Wembley-Tor" erkämpft die deutsche Nationalmannschaft den Europameister-Titel. England war diesmal schon im Halbfinale an der deutschen Mannschaft gescheitert. Doch wann immer und in welcher Liga das runde Leder haarscharf auf, vor oder hinter der Torlinie aufschlägt: In jedem Kommentar ist noch heute die Rede vom "Wembley-Tor", das kein Tor war - oder doch?

1967 - Der Tod des Benno Ohnesorg

"Schah, Schah, Scharlatan", rufen die 2000 Studenten auf dem Berliner Kennedyplatz. Auch der Germanistikstudent Benno Ohnesorg bereitet dem Staatsgast bei seiner Berlin-Visite einen unbequemen Empfang. Es ist der Schah von Persien, zusammen mit Frau Farah. Das blutige Regime im Heimatland des Herrschers ist der Grund für die gewalttätigen Proteste. Als sich das persische Kaiserpaar abends auf den Weg in die Deutsche Oper macht, skandieren die Studenten "Mörder, Mörder". Es regnet Eier, Farbbeutel und Steine. Die Polizei schlägt zurück, drängt die Demonstranten in die Seitenstraßen. Dort trifft Benno Ohnesorg die Gewalt der Staatsmacht. Wenig später liegt sein regungsloser Körper auf dem Asphalt - tödlich verletzt durch eine Polizeikugel. Sein Tod löst eine Lawine der Gewalt gegen den Staat aus, die im Terrorismus der RAF endet.

1967 - Krieg im Heiligen Land

Der Sechs-Tage-Krieg ist noch in vollem Gang, doch die israelischen Soldaten sind bereits am Ziel. Am 6. Juni feiern sie die Eroberung ihres Nationalheiligtums - Ost-Jerusalem mit der Klagemauer. Die Altstadt mit ihren heiligen Stätten war zuvor unter der Kontrolle Jordaniens. Haus um Haus erkämpfen sich israelische Fallschirmjäger den Ostteil "ihrer" Stadt.
Der Blitzkrieg Israels ordnet den Nahen Osten neu und wird zum totalen Triumph. Israel erobert die Golan-Höhen, den Gaza-Streifen, die Westbank und große Teile der Sinai-Halbinsel. Nur eines erreichen sie nicht: den Frieden. Zwar haben die Palästinenser heute autonome Gebiete errichtet, doch Jerusalem als Hauptstadt Israels bleibt für die Araber tabu. Auch über ihre heilige Stätte, den Felsendom, wachen noch immer allein israelische Soldaten.

1968 - Der Todesschuss

Sie sprechen die gleiche Sprache und sind im gleichen Land aufgewachsen, doch den Polizeichef Saigons interessiert das nicht. Vor den Kameras der Welt erschießt er auf offener Straße einen gefesselten Nordvietnamesen. Seine Familie war kurz zuvor von nordvietnamesischen Freischärlern ermordet worden, und als Rache für die militärische Offensive des kommunistischen Nordens. In dem kleinen asiatischen Land tobt ein barbarischer Bruderkrieg. Und mittendrin die USA. Mehr als 550.000 Soldaten sollen den Kommunismus in die Knie zwingen. Doch die Bilder der Kriegsgräuel bewirken einen Sinneswandel im Westen. Die Einsicht, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist, kommt spät. Nach neun Jahren verlassen die USA als Verlierer das Schlachtfeld Vietnam. Erst 1994 hebt die gedemütigte Weltmacht die Wirtschafts-Sanktionen gegenüber dem Kriegsgegner von einst auf. Erst 1995 werden wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen.

1968 - Worte gegen Panzer

Emil Gallo blickt direkt in das Kanonenrohr des Panzers. Er reißt sein Hemd auf, schreit: "Tötet mich, wenn ihr wollt. Meine Freiheit könnt ihr mir nicht nehmen!" Es ist der 21. August: Truppen des Warschauer Paktes marschieren in die Tschechoslowakei ein. Sie beenden brutal den "Prager Frühling" - das Experiment eines Sozialismus "mit menschlichem Antlitz" unter Alexander Dubcek. Seit April gab es friedliche Demonstrationen gegen die Besatzer aus der Sowjetunion und ihre Verbündeten. Jetzt finden 50 Menschen den Tod. Der Slowake Gallo überlebt. Durch die unblutige "Samtene Revolution" erhält die Demokratie 1989 eine neue Chance - mit Vaclav Havel.

19.00 - 20.40 Uhr
Welt im Umbruch
1969 - 1979 l Dokumentation l Moderator: Guido Knopp

1969 - Aufbruch zum Mond

"Okay, ich probier's jetzt", rauscht die Stimme aus den Lautsprechern im NASA-Kontrollzentrum. "Houston, nun bin ich auf der Plattform." Alle halten den Atem an. "Ich trete vom Mondboot runter." Kurze Pause. Langsam senkt Neil Armstrong den Fuß. "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit." 109 Stunden, 24 Minuten und 20 Sekunden zuvor hatte Armstrong mit seinen Kameraden Edwin Aldrin und Michael Collins von der Erde abgehoben. 600 Millionen Menschen verfolgen weltweit den Aufbruch der Menschheit ins Universum: Der Flug zum Mond wird das erste globale Medienereignis. 400.000 Wissenschaftler und Techniker sind an der Erfüllung des uralten Menschheitstraumes beteiligt. Die Entwicklung der bemannten Raumfahrt rast: Jetzt wird die "ISS" gebaut - die erste internationale Raumstation. Im Jahre 2004 werden Astronauten im Orbit ihre Arbeit aufnehmen - und dabei permanent im All "wohnen".

1970 - Der Kniefall von Warschau

Sein Kopf ist gesenkt, sein Blick auf die gefalteten Hände gerichtet. 10 Sekunden, 20 Sekunden, eine halbe Minute. Sie scheint nicht zu enden. Willy Brandt kniet auf regennassem Asphalt. Eine Geste, die wesentlich zur Rehabilitierung Deutschlands in der Welt beiträgt. "Die Last der jüngsten deutschen Geschichte ist enorm. Hiermit tue ich, was Menschen tun, wenn Worte versagen. So gedenke ich der Millionen Ermordeter." 27 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kniet der Regierungschef in Warschau vor den Opfern nieder - für das deutsche Volk. Neben Auschwitz war das Warschauer Ghetto Sinnbild für die Grauen des Holocaust. Ein Teil der polnischen Hauptstadt war zu einem gigantischen Gefängnis geworden. 400.000 Menschen vegetierten unter unwürdigen Umständen. Mehr als 50.000 Juden wurden getötet. Mit dem Zerfall des Ostblocks und der deutschen Einheit wird aus Willy Brandts "Ostpolitik" Geschichte - und ein Stück Wirklichkeit. Gesten bringen oft mehr als Worte.

1972 - Das Mädchen aus Vietnam

Die neunjährige Kim Phuc ist fast ohnmächtig vor Schmerz. Das kleine Mädchen schreit um sein Leben: Es flieht mit seinen Eltern vor den US-Bombern. Seit Mai 1972 fliegen die Amerikaner Luftangriffe auf Nord-Vietnam. Häuser und Wälder verbrennen im Napalmregen. Der Phosphor bleibt an Kleidung und Haut haften, brennt sich in die Körper der Menschen. Die beiden Cousins von Kim Phuc verbrennen bei lebendigem Leibe. Amerika steht seit 1961 im Krieg mit dem kommunistischen Nord-Vietnam.
Zwei Millionen Einheimischen und 58.000 Amerikanern kostet der Vietnamkrieg das Leben. Am 27. Januar 1973 endlich schließen die USA und Nord-Vietnam einen Waffenstillstand - die erste militärische Niederlage in der Geschichte Amerikas. Der Krieg ist zu Ende, doch die Narben bleiben. Erst 1997, mehr als 20 Jahre später, eröffnen Vietnam und die USA wieder Botschaften in Hanoi und Washington.

1972 - Das Massaker von München

Zehn olympische Tage begeistern die Sportwelt. Doch dann der 5. September 1973: Sechs Männer steigen im Morgengrauen über den Zaun des olympischen Dorfes. Sie dringen weiter vor, Komplizen öffnen Türen. Plötzlich ziehen sie Maschinenpistolen und Handgranaten aus ihren Sporttaschen. Gegen halb fünf fallen die ersten Schüsse. Zwei israelische Sportler können fliehen, zwei aber müssen sterben. Kurz nach fünf stellen die Terroristen ihre Forderungen: Freilassung von 200 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen. Und: freier Abzug mit neun Geiseln. Daraufhin tritt ein Krisenstab zusammen. Die israelische Regierung macht Bonn allein für die Sicherheit der Geiseln verantwortlich. Zwei Ultimaten verstreichen. Um 22.22 Uhr fliegen die Terroristen mit den Geiseln per Hubschrauber zum Flughafen. Auf dem Rollfeld kommt der Einsatzbefehl: Die Polizei erschießt drei Terroristen. Gegen Mitternacht rücken Panzerfahrzeuge vor, beenden das Drama. Doch: Alle Geiseln müssen sterben. Die Olympischen Spiele gehen weiter, aber das Fest ist zu Ende. 1996 in Atlanta stirbt während der Spiele ein Mensch bei einem Bomben-Attentat. Bei Olympia 2000 in Sydney soll nun noch mehr auf die Sicherheit aller geachtet werden.

1974 - Der Kanzlerspion

24. April 1974: Im Hamburger Hotel "Atlantic" legt Ministerialrat Klaus Kinkel ein BKA-Schriftstück neben die Kaffeetasse von Willy Brandt. Mit Namen von Frauen, die der Kanzler während seiner Reisen mit auf Hotelzimmer oder in Zugabteile genommen haben soll: Journalistinnen, Zufallsbekannte, Prostituierte. Die Liste stammt von seinem persönlichen Referenten Günter Guillaume. Der NVA-Hauptmann hatte sich 1963 als DDR-Flüchtling ausgegeben. Tatsächlich jedoch wurde er von der Stasi eingeschleust. Ende April '74 wird der Ost-Agent wegen Spionage verhaftet. Regierungschef Brandt tritt am 6. Mai zurück: "Total enttäuscht übernehme ich die Verantwortung für alle Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Affäre Guillaume." Er setzt damit ein Zeichen: Politiker sollten Fehler eingestehen, die nötigen Konsequenzen ziehen.

1974 - Die Watergate-Affäre

Die Morgenstunden des 17. Juni 1972: Fünf Männer brechen in die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei ein. Der Nachtwächter des Washingtoner Hotels "Watergate" alarmiert die Polizei: Polizisten stellen die Eindringlinge. Darunter: James McCord, Sicherheitschef im Wahlkampfteam des US-Präsidenten. Nixon entlässt McCord, triumphiert bei der Wiederwahl.
Doch die Washington-Post-Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward lassen nicht locker. Über Hintermänner gelangen sie an Geheimunterlagen der Republikanischen Partei: Nixon selbst hatte angewiesen, den Lauschangriff auf die Demokraten vorzubereiten. Ein Sumpf von Korruptions-, Abhör- und Unterschlagungsaffären tut sich auf. Parteifreund Barry Goldwater: "Nixon hat seine Frau, Familie, Freunde, Kollegen, das Volk und die Welt belogen." Am 8. August 1974 tritt Nixon zurück: Er kommt so einer Anklage durch das Parlament zuvor. 1999 überstand Bill Clinton ein solches Amtsenthebungsverfahren - wegen seiner Liaison mit der Praktikantin Monica Lewinsky.

1975 - Flucht aus Saigon

30. April 1975, es ist 7.58 Uhr: Die US-Botschaft im südvietnamesischen Saigon liegt unter Beschuss der kommunistischen Truppen aus dem Norden. Vom Dach des Gebäudes rettet ein Hubschrauber das letzte Häuflein US-Marines aus der Luft. Während unten eine aufgebrachte Menge in das Hochhaus eindringt. Es sind Südvietnamesen, die ehemaligen Verbündeten der US-Army. Auch sie wollen raus aus dem Hexenkessel. Doch die vom CIA gesteuerte letzte Rettungsaktion bringt nur die eigenen Boys in Sicherheit. 1.000 Amerikaner werden in 24 Stunden heimgeholt. Die Marines auf dem Dach sind die letzten.
Der 20-jährige Kreuzzug gegen den Kommunismus in Vietnam ist für Amerika zu Ende. Das Drama der um Hilfe flehenden Saigoner jedoch geht weiter. Sie fürchten die Rache der Kommunisten und fühlen sich von den Amerikanern im Stich gelassen. Der Vietcong siegt. Südvietnam wird wie der Norden des Landes kommunistisch. Doch die Menschen fliehen bis heute vor den diktatorischen Machthabern. In überfüllten Booten treiben die "Boat-People" aufs offene Meer - und hoffen auf ein Schiff in die Freiheit.

1976 - Aufstand der Kinder

Schüsse peitschen durch den Morgenhimmel von Soweto. Pulverdampf und Tränengas erstickt das Schwarzen-Ghetto an jenem 16. Juni 1976: Eine Kugel trifft den 13-jährigen Hector Pietersen mitten in den Kopf. Weiße Polizisten erschießen den Jungen. 25 Kinder sterben wie Hector - weil sie schwarz sind. Sie protestierten friedlich gegen die Einführung von "Afrikaans": die Sprache der Weißen an den Schulen. Eine Welle der Gegengewalt erfasst Südafrika. 100 Menschen werden getötet. Der Spracherlass wird zurückgenommen. Doch erst 20 Jahre später beendet ein Gesetz die Rassentrennung in den Schulen. Aber bis heute haben Schwarze noch immer nicht die gleichen Bildungschancen.

1977 - Die Erpressung

Köln-Mitte, 5. September: Fünf maskierte Gestalten zerren Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer aus dem Dienstwagen, erschießen den Fahrer und drei Polizisten. 50 Tage halten die RAF-Terroristen Schleyer gefangen. Fordern die Freilassung der in Stammheim inhaftierten Gesinnungsgenossen. 13. Oktober, Linienflug Mallorca-Frankfurt: Palästinensische Terroristen entführen die "Landshut", töten den Piloten Jürgen Schumann. Die Spezialeinheit "GSG 9" stürmt in Mogadischu das Flugzeug. Die Befreiung - für die Geiseln Wiedergeburt, für die RAF Todes-Signal. Die Selbstmorde von Stammheim besiegeln Schleyers Schicksal: Seine Leiche wird wenig später gefunden. Auch heute noch sorgen terroristische Gruppen wie PKK, IRA oder ETA europaweit für Unruhen.

1978 - Das Retortenbaby

25. Juli 1978, 23.30 Uhr, OP-Saal der Geburtsklinik Oldham bei Manchester: Patrick Steptoe greift zum Skalpell. Angespannt öffnet der Frauenarzt mit einem 20 Zentimeter langen Kaiserschnitt den Bauch der schwangeren Lesley Brown. 23.47 Uhr: Er hält ein 2.600 Gramm schweres Mädchen in den Händen. Louise - das erste außerhalb des Mutterleibes gezeugte Baby. Ein Eileiterverschluss hatte bei Lesley Brown eine natürliche Schwangerschaft unmöglich gemacht. "Ich habe nicht Gott gespielt", so Steptoe, "sondern nur der Natur nachgeholfen." Heute ist aus dem vielbestaunten Baby eine selbstbewusste junge Frau geworden. Die 21-jährige Louise Brown ist überzeugt: "Ich bin kein Monster, sondern ganz normal im Bauch meiner Mutter aufgewachsen." Seit 1978 haben mehr als 300.000 Retortenbabys das Licht der Welt erblickt: Allein in Deutschland werden jährlich 5.000 Babys durch künstliche Befruchtung gezeugt - Tendenz steigend.

1979 - Die Macht des Ayatollah

Ein triumphaler Einzug: Sechs Millionen Menschen säumen am 1. Februar 1979 die Straßen Teherans. Ayatollah Khomeini - der Erlöser aus dem Exil - wird frenetisch empfangen. Noch ahnt keiner das Leid, das der Geistliche über den Iran bringen wird. Er proklamiert die "Islamische Republik", verspricht die Abschaffung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit. Die Gesellschaft wird "islamisiert": Alkohol, Popmusik und West-Filme verboten, Frauen zum Schleiertragen verpflichtet, Minderheiten verfolgt.
In den ersten drei Jahren von Ayatollahs Regentschaft fallen 12.000 Menschen den "Säuberungen" zum Opfer. 1980 stürzt er sein Volk in einen achtjährigen Krieg mit dem Irak. Vier Millionen Perser fliehen aus Angst vor Verfolgung ins Ausland. 1989 spricht der Ayatollah das Todesurteil gegen Schriftsteller Salman Rushdie aus - die "Satanischen Verse" verletzten die religiösen Gefühle der Moslems. Drei Millionen US-Dollar setzt er auf den Kopf des Autors aus. Wenig später - am 3. Juni - erliegt Ayatollah Khomeini einem Krebsleiden. Erst 1998 distanziert sich die iranische Regierung offiziell von dem Todesurteil - das als religiöser Richterspruch aber nicht aufgehoben werden kann.

20.40 - 22.20 Uhr
Wendejahre
1980 - 1990 l Dokumentation

1980 - Der Streik von Danzig

August 1980: Das blumengeschmückte, verschlossene Werkstor der Leninwerft wird zum Wallfahrtsort. Ein verwittertes Papst-Porträt gibt den vielen Pilgern Hoffnung. Bepackt mit Tüten und Kartons, mit Körben und Taschen ziehen täglich hunderte die Dockstraße entlang. Sie bringen Brot, Wurst, Tomaten, Mineralwasser und Zigaretten: Verpflegung für die Streikenden, die das Werftgelände besetzt halten - im Kampf gegen steigende Preise, stagnierende Löhne, sinkenden Lebensstandard. Anführer der Industriearbeiter: Lech Walesa. Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass er zehn Jahre später der erste Präsident eines neuen, freien und demokratischen Polen sein wird.

1981 - Schüsse auf den Papst

Johannes Paul II. steht winkend in seinem "Papamobil". Langsam rollt der Jeep über den Petersplatz. Es ist der 13. Mai 1981. Tausende haben sich zur Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom eingefunden. Der Papst segnet Gläubige und Ungläubige. Doch plötzlich: Schüsse aus der Menschenmenge. Schmerzverzerrt sinkt der Papst in die Arme seines polnischen Sekretärs. Der Jeep jagt zum nächsten Krankenhaus. Fünf Stunden kämpfen Ärzte um das Leben des Kirchenoberhaupts. Der Einschusskanal ist nur fünf Millimeter neben der Hauptschlagader. Doch der Papst überlebt - ein Wunder. Der Täter Ali Agca wird noch an Ort und Stelle festgenommen und bald zu lebenslanger Haft verurteilt. Aber wer war der Auftraggeber: Die türkische Mafia? Der sowjetische Geheimdienst? Oder gar der Vatikan selbst? Der Anschlag auf Papst Johannes Paul II. - bis heute ist er nicht aufgeklärt.

1982 - Der Falklandkrieg

"Die Inseln befinden sich wieder unter der gewünschten Regierung. Gott schütze die Königin!" Mit feierlichem Pathos meldet General Moore, Oberbefehlshaber der britischen Truppen, am 14. Juni 1982 die Kapitulation des Gegners. Der Krieg ist zu Ende. 74 Tage zuvor hatten die Argentinier die britische Kronkolonie besetzt. 500 Kilometer vom südamerikanischen Festland, 12.000 Kilometer von Großbritannien entfernt.
Die Schlacht im Südatlantik kostet 750 argentinischen und 265 britischen Soldaten das Leben. Die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher lässt sich von den Verlusten aber nicht beirren: Nach dem Sieg stocken die Briten ihre Millitärpräsenz auf. Erst 1998 normalisiert sich das Verhältnis wieder: Der argentinische Präsident Carlos Menem absolviert seinen ersten Staatsbesuch in Großbritannien.

1983 - Hitlers falsche Tagebücher

In jede Ecke, jede Nische quetschen sich Reporter. Vor dem Podium lauern die Fotografen. Alle wollen dabei sein: bei der Präsentation von Hitlers geheimen Tagebüchern durch den Tagebuchbeschaffer Gerd Heidemann, die Chefredakteure Peter Koch und Felix Schmidt und den britischen Historiker Hugh Trevor-Roper. "Die Geschichte des Dritten Reiches", so titelt die Sensations-Ausgabe des Stern, muss "umgeschrieben werden". Doch das Materialprüfungsamt findet im Auftrag des Bundesarchivs in Labortests heraus: Die Tagebücher sind gefälscht. Der größte journalistische Coup der Nachkriegszeit wird zur größten Pleite. Der Stern erleidet einen riesigen Image-Verlust. Fälscher Kujau und Beschaffer Heidemann müssen für über vier Jahre ins Gefängnis. Der Journalist Heidemann lebt heute als Sozialhilfe-Empfänger in Hamburg.

1985 - Patient Zero

Der smarte Steward Gaetan Dugas von Air Canada spielt eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Aids. Zwischen New York und San Francisco hat der Homosexuelle viele Partner. Als Wissenschaftler die Daten der ersten 248 Aids-Opfer auswerten, stellen sie fest: Mindestens 40 von ihnen hatten Kontakt mit dem Kanadier ("Patient Null"). Zunächst werden nur Homosexuelle und Drogenabhängige zu den Risikogruppen gezählt. Und erst als Bluter und Babys an Aids sterben und prominente Fälle wie Rock Hudson und Freddy Mercury Aufsehen erregen, schreckt die Öffentlichkeit auf.
Die Immunschwäche wird auch für Heterosexuelle zur todbringenden Seuche. Bis heute gibt es weltweit 14 Millionen Aids-Tote, einen Impfstoff bisher jedoch nicht. Mit einer teuren Tabletten-Therapie kann der Ausbruch der Krankheit hinausgezögert werden. Für die mehr als 20 Millionen Infizierten in der Dritten Welt ist die lebensverlängernde Therapie allerdings unbezahlbar.

1986 - Die Challenger-Tragödie

Die Nacht zum 28. Januar: Ingenieure der Raketen-Herstellerfirma Morton Thiokol entdecken schwere Sicherheitsmängel an der US-Raumfähre "Challenger". Doch die NASA duldet keinen Aufschub des Starts. Sie hat ihn bereits mehrfach wegen schlechten Wetters verschoben. Der Tag des 28. Januar: Tausende Schaulustiger haben sich am Stützpunkt Cape Canaveral und Millionen vor den Fernsehern versammelt. Sie erleben das schwerste Unglück in der Geschichte der bemannten Raumfahrt: 73 Sekunden nach dem Start explodiert die Challenger, 17 Kilometer über dem Meeresspiegel. Die gesamte Crew, sieben Menschen, stirbt - weil Dichtungsringe zwischen zwei Segmenten der rechten Feststoff-Rakete brüchig waren. Seit dieser Tragödie ist kein Mensch mehr im All ums Leben gekommen. Ab 2004 werden Astronauten für die Raumstation "ISS" ständig im Orbit arbeiten.

1986 - Der Super-Gau von Tschernobyl

26. April, 1.23 Uhr in der Nacht: Ingenieure des Atomkraftwerks Tschernobyl beginnen mit der Simulation eines Notfalls. Sie schalten vier Hauptkühlpumpen ab. Was folgte, war eine Katastrophe. Sofort schießt die Reaktorleistung auf das 100-fache. Rohre bersten. Die Wucht der Detonation schleudert den Reaktordeckel in die Höhe. Der weltweit älteste Reaktortyp hat keine Sicherheitshülle aus Stahlbeton. 70 Tonnen Nuklearbrennstoff steigen auf.
Wie ein unsichtbares Leichentuch breitet sich die tödliche Strahlung aus - die 200-fache Radioaktivitätsmenge der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Direkt betroffen: 135.000 Menschen im Umkreis von 150 Kilometer. Millionen in der Ukraine und Russland. Die radioaktiven Niederschläge erreichen sogar Westeuropa, den Balkan und Vorderasien. Nach eiligen Reparaturarbeiten klaffen heute bereits wieder Risse in der Reaktorruine. Tschernobyl - immer noch eine tickende Zeitbombe.

1987 - Der Fall Barschel

11. Oktober, Genf, Hotel "Beau Rivage", Zimmer 317: Die Tür ist nicht versperrt, auf dem Bett liegen Notizzettel. Im Bad: CDU-Politiker Uwe Barschel - in der mit Wasser gefüllten Badewanne, bekleidet, tot. Wenige Wochen nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident Schleswig-Holsteins. Im Körper Barschels finden sich Giftstoffe. War es Selbstmord? Mord? Immer neue Enthüllungen über Wahlkampf-Manipulationen, Stasi-Machenschaften und Waffenschiebereien belasten Barschel schwer. Doch die Wahrheit bleibt auf der Strecke. 1998 werden die Ermittlungen eingestellt. Bis heute sind die Umstände des mysteriösen Todes nicht geklärt.

1988 - Das Drama von Gladbeck


1989 - Das Wunder von Berlin

9. November: Günter Schabowski, Sprecher des SED-Zentralkomitees, tritt vor die Presse. Um 18.57 Uhr fragt ihn ein Journalist nach dem neuen "Reisegesetz". Seine Antwort: "Privatreisen ins Ausland können ohne Voraussetzungen beantragt werden. Genehmigungen werden kurzfristig erteilt." "Ab wann gilt das?" Schabowski blättert in seinen Unterlagen: "Nach meiner Kenntnis ... sofort." Irrtum - das Gesetz sollte erst später in Kraft treten. Aber sofort beginnt ein Massenansturm auf die Grenzübergänge. Um 22.30 Uhr bleibt den DDR-Posten nur ein Ausweg: die Öffnung der Schlagbäume. Auf der Mauer vor dem Brandenburger Tor tanzen Menschen aus Ost und West im Glückstaumel, feiern den Triumph des Volkes über die steinerne Grenze. 28 Jahre lang hat die Mauer die deutsche Hauptstadt geteilt, ihre Bewohner unmenschlich voneinander getrennt. Sektkorken knallen, "Mauerspechte" hämmern kleine Stücke aus dem "antifaschistischen Schutzwall". Aufbruchsstimmung überall: Der Weg in die Einheit ist frei. Die quälende Unfreiheit der DDR-Bevölkerung ist nach 28 Jahren zu Ende. Doch mit der "Mauer in den Köpfen" haben West- und Ostdeutsche auch jetzt, zehn Jahre später, noch immer zu kämpfen.

1990 - Die deutsche Einheit

Schelesnowodsk im Kaukasus, es ist der 15. Juli 1990: Leger gekleidet spazieren die Staatsmänner Helmut Kohl und Michail Gorbatschow mit einer kleinen Gruppe nahe dem Gebirgsdorf Archysam am Fluss Selemtschuk entlang. Sie lassen sich an einem klobigen Holztisch nieder, reden fröhlich, lachen herzlich. Sprechen über die Schönheit der Landschaft, das gesunde Klima. Und nebenbei über die Zukunft Deutschlands. Später schreibt Gorbatschow in seinen Memoiren: "Dort besiegelten wir die deutsche Einheit."
Tags darauf erklärt der Kanzler: Das vereinte Deutschland wird Mitglied der NATO. Die UdSSR zieht alle Truppen aus der DDR ab. Und Deutschland verspricht der UdSSR wirtschaftliche Hilfe in Milliardenhöhe. Der Weg zur deutschen Einheit ist frei: Bald folgt die Währungsunion, die Siegermächte treten von ihren Besatzerrechten zurück, die DDR-Volkskammer erklärt den Beitritt zur Bundesrepublik. Bis die Lebensverhältnisse in Ost- und West-Deutschland angeglichen sind, wird es allerdings noch Jahre dauern.

22.20 - 23.40 Uhr
Welt im Wandel
1991 - 1998 l Dokumentation

1991 - Operation Wüstensturm

August 1990, der irakische Diktator Saddam Hussein besetzt Kuwait: "Wir werden die Ölfelder im Feuer versinken lassen." Saudi-Arabien ruft die USA zu Hilfe. Bald steht eine Streitmacht von 26 Nationen in der Wüste: mit 2.673 Panzern und 1.740 Flugzeugen. Januar 1991: Ein High-Tech-Krieg beginnt - die alliierte Luftmacht schlägt mit chirurgischer Präzision zu. 100.000 Soldaten und 10.000 Zivilisten sterben auf irakischer Seite. 343 Alliierte lassen bei der "Operation Wüstensturm" ihr Leben. Februar 1991: Saddam lenkt ein. Im März 1991 ist der Golf-Krieg beendet. Doch die späte Wirkung der irakischen Gift- und Kampfstoffe tötet in den Folgejahren hunderte von US-Veteranen. Und auch heute noch produziert Hussein vermutlich lebensgefährliche ABC-Waffen.

1991 - Putsch in Moskau

Ein trüber Tag. Fast hunderttausend Menschen versammeln sich am 19. August vor dem russischen Parlament. Rufe hallen über den Platz: "Jelzin, Jelzin!" Er ist der einzige, dem die Menschen vertrauen. "Russland, Russland". Panzer rollen auf Moskaus Straßen. Doch Boris Jelzin klettert auf einen der Panzer - mutig und ungeachtet der postierten Heckenschützen. Er ruft die Bevölkerung zu aktivem Widerstand auf. Tausende Bürger demonstrieren für ihre demokratischen Rechte. Jelzin soll ihr Land von den Putschisten befreien, die am Morgen durch einen Staatsstreich gegen Michail Gorbatschow die Macht übernommen haben.Es gelingt: Durch den Widerstand des Volkes verläuft der Putsch binnen weniger Tage im Sande. Volksheld Jelzin wird der neue starke Mann Russlands. Heute ist Jelzin ein kranker Präsident - und das organisierte Verbrechen hat die Macht im Staate übernommen.

1992 - Die bosnische Tragödie

Frikret Alic ist nur noch Haut und Knochen. Der 22-jährige Muslim aus Westbosnien hat im Lager Trnopolje über 30 Kilo abgenommen. Wie tausende seiner Landsleute wird auch er in der Haft geschlagen und gefoltert. "Mit diesem Krieg wollen die bosnischen Serben die Muslime in Bosnien auslöschen", sagt Kriegsberichterstatter Ed Vulliamy. Im April '92 erklärt sich die Republik Bosnien-Herzegowina für unabhängig. Wenig später übernehmen Serben gewaltsam die Macht. Die serbische Armee sprengt Moscheen in die Luft, macht muslimische Friedhöfe und Wohnviertel dem Erdboden gleich, beschießt Sarajevo Tag und Nacht mit Granaten. Die Landbevölkerung wird eingesperrt - Lebensmittel gibt es für sie nicht. Zur Hinrichtung ruft man die Gefangenen nach draußen. Viele sterben vor Entkräftung, an Krankheiten und unter Schlägen. Mehr als 300.000 Todesopfer fordert der Krieg mitten in Europa. Das Pulverfass schwelt noch immer. Und bis heute entziehen sich Kriegsverbrecher ihrer Strafe.

1993 - Debakel in Somalia

Ein Kind ergibt sich seinem Schicksal: kraftlos vor Hunger und Durst, ohne Hoffnung. Eine Hungerkatastrophe bringt tausendfachen Tod über das ostafrikanische Land. Kriegerische Auseinandersetzungen rivalisierender Clans fordern Hunderte von Opfern.
Der Bundestag billigt den Einsatz deutscher "Blauhelme": 1.700 Bundeswehrsoldaten beteiligen sich an der Aktion "Neue Hoffnung". Doch die UN-Mission gerät außer Kontrolle. Die Friedenstruppen helfen gegen die Hungersnot, scheitern aber bei der Entwaffnung der Bürgerkriegsparteien. Immer noch ist Krieg in Somalia, noch immer verhungern Menschen.

1994 - Mandelas Sieg

Nelson Mandela, eine Friedenstaube in seiner Hand. Frieden - sein lebenslanges Motto. "Ich kämpfe für das afrikanische Volk. Und das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft." Im Mai 1994 wird er der erste schwarze Präsident Südafrikas. 1951 hatte der Rechtsanwalt die ANC-Jugendliga ins Leben gerufen und Anti-Apartheidskampagnen organisiert. Er wird festgenommen, zu lebenslanger Haft verurteilt. 27 Jahre verbringt er im Gefängnis. 1990 kommt er frei, erhält '93 den Friedensnobelpreis. Mitte Juni '99 tritt Mandela 80-jährig von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger Mbeki versucht, seine Politik der Versöhnung von Schwarz und Weiß fortzuführen.

1995 - Mord im Heiligen Land

Trauer um den Mann, den die Kugeln eines Fanatikers töteten. Am 4. November wird Yitzhak Rabin von einem 27-jährigen Rechtsradikalen erschossen. Bei einer Friedenskundgebung löste sich der junge Mann aus der Menge, zog seine Neun-Millimeter-Beretta, feuerte dreimal. Der Mörder wollte den Friedensprozess stoppen. Als Ministerpräsident hatte Rabin eine neue Ära arabisch-israelischer Beziehungen eingeleitet. Am Sarg ihres Großvaters ruft Noa Ben-Artzi weinend: "Opa, du warst mein Feuer. Jetzt bin ich ohne Fackel in der Finsternis." "Die Jugend wird weitermachen", verspricht die Witwe Lea Rabin. "Der Terror kann jeden treffen, aber den Weg zum Frieden wird er nicht versperren."

1997 - Tod einer Prinzessin

Paris, Hotel "Ritz", 30. August: Die Prinzessin von Wales und der ägyptische Milliardärssohn Dodi al Fayed kommen von einem intimen Dinner. "Heute kriegt ihr uns nicht!" ruft der Chauffeur Henri Paul den Fotografen zu. Der Mercedes rast mit dem Liebespaar davon. Paparazzi nehmen die Verfolgung auf. "Fahren Sie schneller", befiehlt al Fayed dem Fahrer. Paul tritt aufs Gaspedal. Mit 1,7 Promille Alkohol im Blut und mit 140 Kilometer pro Stunde jagt er die Limousine in den Tunnel Pont de l'Alma. Der Wagen schießt frontal auf einen Betonpfeiler zu. Fayed, Paul und Diana sterben, Leibwächter Rees überlebt. Ein Unglück? Mord? Oder eine Verschwörung? Bis heute ist Dianas Tod nicht aufgeklärt.

1998 - Der Präsident und das Mädchen

6. November: Zur besten Sendezeit überträgt das US-Fernsehen Präsident Clintons Geständnis. Mit zerknirschter Miene beichtet er seine "unangemessene" Beziehung zu Monica Lewinsky. Entschuldigt sich bei der Nation, seiner Frau, seiner Tochter. Immer pikantere Details der Affäre waren an die Öffentlichkeit gelangt: ob nun Spermaspuren auf einem Cocktailkleid oder der Starr-Report im Internet. Die Folge: Der US-Präsident gibt sich weltweit der Lächerlichkeit preis. Und eine Praktikantin wird zur tragischen Kultfigur. Lewinsky vermarktete ihre Geschichte für viele Millionen Dollar. (Foto Quelle: ZDF)


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© by Zeitgut Verlag GmbH, Berlin. Auswahl und Zusammenstellung durch
Fritz Penserot, Kontakt: f.penserot@zeitgut.de
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