Bild: zeitgut Buchcover
Die Geschichte von Hans Birwe steht in dem Buch
Unsere Heimat - unsere Geschichten
Wenn Erinnerungen lebendig werden.
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Kaffee und Kuchen

Privateigentum Hans Birwe
1938. Fototermin zwischen dem Kuchenessen bei Familie Mrotz. Von links: mein Vater Hans, Mariechen Mrotz, Frau Mrotz, meine Mutter Maria, Herr Mrotz. Unten, zwischen den Töchtern Hilde und Lotti, sitze ich, der liebe „Hansi", mit dem großen Teddy.

Geschichte von Hans Birwe

Essen, Ruhrgebiet; 1938

Etwa fünf Gehminuten von unserer Wohnung entfernt wohnte in einem älteren gemütlichen kleinen Haus die mit uns befreundete Familie Mrotz. Das Anwesen wurde vom Familienvater liebevoll gepflegt. Seine besondere Vorliebe war der große Garten hinter dem Haus, in dem sich auch ein Karnickelstall befand. Eine ganze Anzahl schwarzweiß gefleckter Kaninchen, die er selbst züchtete, tummelte sich dort und schien sich bei guter Pflege recht wohl zu fühlen. Wenn wir zu Besuch waren, holte Herr Mrotz manchmal einen der größeren Stallhasen aus dem Verschlag und ließ ihn zu unserer Freude im Garten herumhoppeln.

Die Freundschaft zwischen Herrn Mrotz und Vater hatte sich während der Arbeit entwickelt. Beide waren bei Krupp beschäftigt und empfanden sofort Sympathie füreinander. Später wurden die Familien einbezogen. Alle zwei Wochen besuchten wir uns gegenseitig, um miteinander Kuchen zu essen. Uns Kindern schmeckte der Kuchen, den Frau Mrotz backte, besonders gut. Das machte ihr offenbar Freude, denn sie bot uns immer wieder reichlich davon an. Meistens aßen wir mehr, als Mutter für angemessen hielt. Weil unser großer Appetit ihr peinlich war, – schließlich wollte sie nicht den Eindruck erwecken, wir bekämen zu Hause nicht genug zu essen – entwickelte sie eine Art „Vorsättigungsstrategie". Unter dem Vorwand, noch Brot kaufen zu müssen, ging sie mit uns in eine am Weg liegende Bäckerei und fragte beiläufig, ob wir Appetit auf ein Hefeteilchen hätten. Wir wußten, dort gab es einen dunklen Kuchen, der als Brotschnittchen bezeichnet wurde und den wir besonders gerne mochten. Begeistert nahmen wir die großzügige Einladung an und stopften hinein, was Mutter uns anbot. Als wir fertig waren, besuchten wir Familie Mrotz.

Nach der Begrüßung fand die routinemäßige Gartenbesichtigung statt, bei der Mutter vor allem die vielen schönen Blumen bewunderte, während wir sofort auf den Kaninchenstall zusteuerten, um zu sehen, ob es neue kleine Stallhasen gäbe. Danach wurden wir freundlich an die Kaffeetafel gebeten. Leider konnten die Männer noch nicht dabeisein, weil sie noch arbeiten mußten. Um so mehr fühlten wir Buben uns angespornt, alles dafür zu tun, daß die Männer gut vertreten wurden. In gewohnter Weise wurden wir von Frau Mrotz aufgefordert, kräftig zuzugreifen. Weil es wieder so gut schmeckte, ließen wir uns das nicht zweimal sagen. Mutters Augen wurden immer größer, aber sie sagte kein Wort.

Abends hörte ich, wie sie Vater erzählte, sie hätte uns vor dem Besuch mit Hefeteilchen abgefüttert, um unseren Appetit zu drosseln. Der Versuch sei aber völlig fehlgeschlagen. Wir hätten an dem Nachmittag bei Frau Mrotz noch mehr gegessen, als sie es sonst von uns gewohnt wäre. Als wir Vater lachen hörten, wußten wir, daß er uns nicht böse war, nur weil wir kräftig zugelangt hatten. Schließlich hatten wir ihn ja nicht blamiert und irgendetwas „ausgefressen".

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