Leserstimmen

Bild Und weiter geht es doch

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:: Mich hat das Buch sehr angesprochen. Das Schicksal der Menschen berührt mich sehr. Mich würde interessieren, wie die Schicksale der Menschen weiter gehen.
Stefanie Holstein, Nieheim

::
Ihre Bücher sind wunderbar! Sie hätten viel früher erscheinen müssen. Ich habe diese Art von Geschichtsvermittlung jahrelang vermißt.
Gisela Hintze, Bad Bodenteich

:: Der Krieg ist aus, 60 Millionen Menschen sind tot. Deutschland, so wie man es kannte, existiert nicht länger. Für ein Kind der Wohlstandsgesellschaft der Bundesrepublik haben diese historischen Fakten mittlerweile etwas Irreales. Zwar spulen sich Filmaufnahmen im Gehirn ab, die von vier Besatzungszonen sprechen, in die Deutschland aufgeteilt war. Die von Entnazifizierung, Reeducation, Morgenthau- und Marshallplänen, von ersten Versuchen, Demokratie aufzubauen, von der Berlin-Blockade, der Gründung der beiden deutschen Staaten und dem Wirtschaftswunder handeln. Aber trotzdem bleibt eine unüberbrückbar scheinende Distanz zwischen den Kindern, die wie selbstverständlich mit Computern aufwachsen, von einem Rechtsstaat beschützt werden, Mangel nur aus Büchern kennen und medizinische Versorgung für ein selbstverständliches Grundrecht halten, und den Menschen, die in den Jahren 1945 bis 1950 um ihr Überleben kämpften. Man hält, obwohl man die Großeltern als vernünftige Menschen kennt, die damaligen Zeiten für endgültig erledigt, wie aus einer anderen Epoche, die damals lebenden Menschen für hilflose und unmündige Dispositionsmasse der Mächtigen.
"Und weiter geht es doch" ist der Titel eines Buches, das diese Einstellung gründlich korrigieren kann. Es finden darin 45 Erlebnisberichte von Zeitzeugen, die ihre ganz individuellen Geschichten aus dieser Zeit schildern. Sie erzählen einfach, unkompliziert, direkt und mit manchmal erstaunlicher Offenheit. Nur wenige Stilmittel verschönern die Sprache; handfeste Menschen erzählen von handfesten Ereignissen.
In den Geschichten findet sich ein breites Spektrum an Situationen und Stimmungen, Männern und Frauen, in Kriegsgefangenschaft, zu Hause und sehr häufig auf der Flucht. Sie erzählen von dem, was sie in ihrem Alltag, der eigentlich keiner war, bewegte und antrieb weiterzumachen.
Ständiger Begleiter der Menschen ist der Mangel an allem, vor allem an Wohnraum und Nahrungsmitteln, der sie zwar nicht bricht, aber doch verändert. Manchmal komisch für den heutigen Zeitgenossen, eigentlich jedoch bedrückend ist beispielsweise das kollektive Ignorieren der Gesetze, so zum Beispiel beim Hamstern. Erschreckend sind die Hilflosigkeit und die Abhängigkeit des eigenen Lebens von äußeren Umständen, mit denen man konfrontiert wird; es gibt nun einmal keinen Supermarkt, in dem sich Überfluß genießen ließe. Und ob man im Krankenhaus als hochschwangere Frau ein Bett findet, und wenn, ob man von Ungeziefer unbehelligt bleibt, steht in den Sternen. Jeder Tag bedeutet einen neuen Tag des Kampfes um das Allernötigste.
Die Schilderungen der Armut und des Mangels sind deprimierend. Furchtbar sind jedoch die Beschreibungen der Mißhandlungen Kriegsgefangener und illegaler Grenzgänger durch die Rote Armee. Aber auch die westlichen Besatzer kommen nicht so gut weg, wie man das erwarten könnte: Bürokratische Hemmnisse und teilweise kleinkariertes Verhalten zeigen, dass es nicht empfehlenswert ist, einem Volk anzugehören, das einen Krieg verloren hat.
Aber das Buch ist keine Sammlung von Katzenjammer. Man findet Zeit, ebenso die Schönheit und die Freude zu genießen, die auch in Nachkriegszeiten nicht wirklich tot zu kriegen sind. Anekdoten hindern uns daran, die Menschen der Nachkriegsjahre als verbitterte Überlebenskämpfer zu sehen, die ihre Menschlichkeit auf dem Altar der Realität geopfert haben. Die Kultur wird wiederbelebt, und auch hungrige Zuschauer genießen Varietés, Theateraufführungen und Orgelkonzerte. Die Faszination des universitären Wissens erfaßt auch den Studenten, der in einer Bude ohne Heizung sein Dasein fristet. Die aus Ostpreußen geflohene und praktisch ohne Besitz dastehende Musikerin freut sich über die unglaubliche Schönheit des Frühlings im Bayerischen Wald und der Kriegsgefangene in Frankreich schenkt einem armen Franzosen zu Weihnachten eine kostbare Zigarette und Nahrungsmittel.
Charakterlosigkeit aber auch heutzutage selten gewordene, zu Tränen rührende Menschlichkeit auf Seiten der Besetzten und auf Seiten der Besatzer kennzeichnen diese Zeit, die in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität in kein historisches Schema, das man im Geschichtsunterricht aufgebaut hat, so richtig hinein passt. Es sind Geschichten von Menschen wie du und ich, die leiden, lachen, lieben und kämpfen, mit sich selbst und der Realität, die ihnen nichts schenkt.
Was uns, den Leser des 21. Jahrhunderts, zusätzlich belastet, sind die Trauer und die Wut über das Geschehene. Interessant ist, dass die Frage des Warum, die seit dreißig Jahren die deutsche Gesellschaft immer wieder vor Rätsel stellt, in diesem Buch praktisch keine Rolle spielt. Zum einen sind die meisten Erzähler zu jung, als dass sie ihr Kreuz einst bei einer bestimmten Partei hätten machen können. Zum anderen begreift man, dass diese und andere Fragen damals einfach nicht relevant waren. Man hatte keine Zeit, über die Vergangenheit nachzudenken, da die Gegenwart die volle Aufmerksamkeit erforderte.
Zwei Sachen kann uns dieses Buch lehren. Zum einen verändert sich für die Kinder der Windows95-Generation das Geschichtsbild. Die Menschen der Nachkriegszeit sind plötzlich keine naiven Objekte der Geschichte mehr, die sich geistlos und des Mitleids bedürftig durch die Jahre quälen. Gereift durch Entbehrungen und grausame Erfahrungen sind sie uns heutigen Menschen ebenbürtig, wenn nicht überlegen in ihrem Anspruch auf eine realistische Sichtweise der Dinge. Sie sind Kinder des 20. Jahrhunderts, voll des Schreckens, aber auch voll der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die wir alle, trotz unseres Wohlstandes, im Grunde ebenfalls teilen.
Auch früher gab es Menschen, die bewußt lebten, und einst werden auch uns Menschen aus der Retrospektive kritisch betrachten. Und ob wir oder die Menschen der Nachkriegszeit als naiver und schuldiger an ihrer Umwelt betrachtet werden, ist ungewiss.
Das zweite, was uns dieses Buch zeigt, ist eine von jeglicher Ideologie befreite, ganz einfache und doch eine der bisher überzeugendsten Antworten auf die Frage, warum nie wieder Krieg sein darf.
Michael Jack / aus amazon.de

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