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Sielaff, Jörg<br>Gespräch mit meinem vermissten Vater
Sielaff, Jörg
Gespräch mit meinem vermissten Vater

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    West-Deutschland 1947-1953

    :: Band 22 | Reihe Zeitgut | Gebundene Ausgabe
    39 Geschichten und Berichte von Zeitzeugen.
    352 Seiten mit vielen Abbildungen,
    Ortsregister, Chronologie, Gewicht 500 Gramm
    Zeitgut Verlag, Berlin.

    ISBN: 3-86614-143-2, EURO 12,90

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    Von Fringsen, Maisbrot und Holzvergasern oder Aufbruch im Westen
    Vor 70 Jahren - am 21. Juni 1948 - fand im vom Krieg gezeichneten Deutschland die Währungsreform statt: Im Westen Deutschlands wird die D- Mark eingeführt, jeder Bürger erhält zum Neubeginn gerade einmal 60 DM; doch zugleich kann die Inflation beendet werden, füllen sich die Geschäfte mit Waren, breitet sich verhaltener Optimismus aus.

    Alliierte, Besatzer, Bizone, Trizone, Demontage und Blockade, Luftbrücke, Marshallplan, Flüchtlingslager, "fringsen", Holzvergaser und Maisbrot, Tauschzentrale, doppelte Sommerzeit (1947), Stromsperre und Razzia - für die Kriegs- und Nachkriegsgeneration Westdeutschlands rücken mit diesen Begriffen nach sechs Jahrzehnten die Erinnerung an die Jahre 1947 bis 1952 noch einmal in die Mitte ihres Bewusstseins. Sie denken an Schwarzmarkt und Hamsterkäufe und an überfüllte Züge. Aber auch an Schulspeisung und CARE-Pakete, Tanzabende mit Alkolat, den wiederauflebenden Karneval und die erste Urlaubsfahrt. Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Chaos löst sich allmählich auf. "Morgen wird alles besser" wird zum populären Satz, fast trotzig geäußert in einem Land, dessen Städte zerstört sind und dessen Wirtschaft am Boden liegt.

    Mit aller Dramatik wird in den 39 Beiträgen aus fast allen Regionen Westdeutschlands die Not der frühen Nachkriegsjahre lebendig, der Hunger der Großstädter und ihre verzweifelten Betteltouren aufs Land, der Kampf um Kohle und Holz für die harten Winter. Und wir erfahren, wie findig die Menschen wurden: Man schlachtete Schweine "schwarz" und brannte illegal Schnaps und ließ für den Tauschhandel Tabak auf dem Balkon wachsen, man färbte Uniformen ein und schneiderte Kleider aus Gardinen.

    Geschildert wird die freudige oder auch schmerzvolle Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft, der Stolz der Bombengeschädigten und Flüchtlinge über das eigene Bett, die eigene Wohnung, einen gepachteten Garten, der die Speisekarte bereichert. Eindrucksvoll sind auch die Berichte von der Suche nach einem Broterwerb und dem Fußfassen im Beruf.

    "Herr Gnufke, der Hausierer" hat ihn gefunden, auch der Handelsvertreter, der für Sunlicht reist, der Kumpel im Steinkohlebergbau in Dinslaken und der Postbeamte in entfernter Dienststelle, der seine schwangere Frau wegen schlechter Verkehrsverbindung nur alle vier Wochen sehen kann.

    Noch findet Schule in überfüllten Klassen und mit im Schnellkurs ausgebildeten Lehrern statt, aber die erste Lehrerbildungsanstalt entsteht, die erste Universität (Göttingen) wird wiedereröffnet. Langsam öffnet sich Deutschland wieder fremder Kultur, man liest Bücher, hört Musik und spielt - wie hier die "Junge Bühne" in Goslar - Theaterstücke, die jahrelang verboten waren. Pfarrer Niemöller hält Vorträge zur Aufarbeitung der Vergangenheit.

    Aufbruchstimmung entsteht und erster Stolz auf die junge Demokratie. Nach 1950 spürt man in den Zeitzeugenberichten eine neue Akzeptanz der Deutschen in Europa und den sachten Beginn des Wirtschaftswunders. Vom Schüleraustausch mit England und von einer großen Liebe zwischen einem jungen Deutschen und einer Französin wird erzählt, aber auch vom neuen Fernsehapparat, der die Welt in die Wohnstube holt und die Nachbarn noch dazu.

    Aus dem Inhalts
    Der Krieg ist aus - Die drei Söhne des Heimkehrers - Das Russenkind - Die Hamsterfahrt - Wieder Freude am Leben - Berlin-Blockade - Torf stechen, Kohlen klauen - Freie Fahrt voraus - Neuanfang in Gladbeck - Nichts anderes als Lehrerin - Hüben und Drüben - Ein Musiker schlägt sich durch - Verborgene Fähigkeiten - Frei, aber heimatlos - Aus alt mach neu - Herr Gnufke, der Hausierer - Ein Dach über dem Kopf - Flucht vor der Feuerwehr - Meine Mutter geht auf’s Amt - Unser Vater wird das regeln - Der Beginn der freien Marktwirtschaft - Ritter der Landstraße - Der Geldmantel - Zum Stillschweigen verpflichtet - Die tote Straße - Als der Dammer Amtsschimmel wieherte - Ein "pen-friend" - My English Family - Heilige Barbara und Schweineschlachten - Der Eisenbahner mit der Milchkanne - Mitten im kalten Winter - La claire fontaine - Das neue "Möbelstück"

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